Special#8

Dreh dich!

Als wir klein waren, liefen wir immer im Kreis. Je mehr wir uns drehten, desto schwindeliger wurde uns. Manchmal war es wie ein Wettkampf darüber, wer umfällt und wer stehen bleiben konnte. Als ich jung war, vielleicht sieben oder acht, drehte ich mich immer nur im Kreis. Die ganze Zeit drehen, drehen, drehen.

Einmal waren nur Mama und ich zuhause. Sie kochte und ließ mich spielen gehen. Ich ging ins Wohnzimmer und fing an mich nur noch zu drehen. Ich wollte mich dabei auf meine Umgebung konzentrieren, was schwer war. Bestimmte Dinge wie die Couch, oder den Fernseher konnte ich grad noch so warnehmen, doch als ich mich weiter und weiter drehte, fiel mir etwas Komisches auf. Ich versuchte meine Augen darauf zu konzentrieren, und konnte einen dunklen Umriss erkennen… Ich drehte mich einfach weiter, aber jedes Mal kam es näher. Vorher stand es noch am einen Ende des Raumes, jetzt war es ganz nah. Ich hörte auf mich zu drehen, und schaute in seine Richtung. Die Welt drehte sich noch, doch ich war wie erstarrt. Die Gestalt bewegte sich, zusammen mit meinem ganzen Sichtfeld vor und zurück. Ich schloss meine Augen und als ich sie wieder öffnete, war es weg.

„Mama, Mama, jemand ist im Wohnzimmer!“
„Ach Schätzchen, sei nicht albern, niemand Anderes außer wir beide ist hier.“
„Wirklich, ich habe es gesehen. Es war groß und dunkel.“
„Süßes, geh spielen.“

Ich verzog mich, wütend darüber, dass meine Mutter mir nicht zuhören wollte. Ich blieb dem Wohnzimmer fern und ging stattdessen in Meines. Ich schaltete das Licht ein, schloss die Tür, schmiss all meine Spielsachen in den Schrank, um mich drehen zu können. Ich fing an, mich zu drehen und nach ein paar Runden war es wieder da. Ich versuchte es aus meinem Kopf zu kriegen. Ich schloss meine Augen und drehte mich einfach weiter. Drehte mich, bis ich sein Atmen in meinem Gesicht spürte. Meine Augen öffneten sich und direkt vor mir war es. Meine Augen, die sich versuchten zu beruhigen, erkannten ein paar Details. Ein graues Gesicht, eingesunkene Augen, die wie schwarze Löcher aussahen. Ich fing an zu weinen. „Mama Mama!“ und mit einem Augenblick war es weg.

Meine Mutter rannte ins Zimmer „Was ist? Was ist los Schatz?“ Ich war verwirrt und verängstigt. Ich versuchte zu sprechen, konnte aber nicht. „Genug Spielchen. Ich bin beschäftigt.“ Sie verließ das Zimmer und ich versuchte ihren Namen zu sagen, mein Arm versuchte sie zu erreichen, aber die Worte blieben in meinem Hals stecken. Sie hat mich verlassen. Ich war so verängstigt, mich zu bewegen, zu reden. Irgendwann traute ich mich, aus meinem Zimmer in die Küche zu rennen. Ich setzte mich in die Ecke und schaute meiner Mutter zu. Nervlich am Ende, bewegte ich mich bis zur Schlafenszeit keinen Millimeter mehr.

Mama brachte mich in mein Zimmer und deckte mich zu „Ich bringe dir ein Glas Wasser“. Sie verließ den Raum. Sie kam zurück. „Hier“, sie streckte ihren Arm aus, aber ich bewegte mich nicht. „Schatz?“ Ich antwortete nicht. Sie stellte es auf den Tisch neben mich. „Schlaf gut, schöne Träume“. Die Tür schloss sich und mein einziger Schutz war weg. „Schöne Träume.“ Als sie ging, war es dort in der Ecke. Als sie mir das Wasser brachte, folgte es ihr hinüber zu meinem Bett. Ich erinnere mich an seinen Blick, als es sich umdrehte. Es kam zu meinem Bett und wachte über mich. Die ganze Nacht. Ich hatte riesige Angst davor einzuschlafen. „Dreh dich“, sagte es. Seine Stimme wirkte fremd, aber ich verstand und wollte gehorchen. Langsam stieg ich aus dem Bett. Ich fing an mich zu drehen. Es kam näher und näher.

Ich wachte auf. Ich lag auf dem Boden und die Sonne schien, es war nicht mehr da. Mein Kopf schmerzte unbeschreiblich. Ich fasste ihn an und getrocknetes Blut klebte an meiner Hand. Ich stand auf und fiel wieder zu Boden. Auf dem Boden war eine Blutlaache. Ich fühlte mich so leicht, mir war schwindelig. Ich fing an, meine Mutter zu suchen. Sie war nicht in ihrem Schlafzimmer. Ich rutschte die Treppen runter, konnte sie allerdings nirgendwo finden. Alles verschwam und da war es wieder. „Es ist okay“, flüsterte es.
Ich fiel auf mein Gesicht und das Letzte woran ich mich noch erinnern kann, war das schwere Gewicht auf meinem Rücken und der Atem im Nacken.

Meine Welt verschwamm und wurde schwarz. Wer weiß, wie lange ich ohnmächtig war. Ich hatte viel Blut verloren, als meine Mutter aus dem Badezimmer kam. Ich hörte Geschrei und fühlte wie mein Körper bewegt wurde. Sie musste mich geschüttelt haben, doch ich konnte es nicht sehen. Mein Gesicht schmerzte. Es fühlte sich an, als ob Tränen auf mein Gesicht tropfen würden. Ich wollte sie fühlen, aber stattdessen waren da leere Löcher wo meine Augen sein sollten. Ich beruhigte mich. „Es ist okay“, flüsterte ich. Und plötzlich hatte ich eine ganz kleine Bitte an sie: „Mama…

„Dreh dich.“

image

Mfg
Matthias 😉

Quelle:
http://main.creepypasta.eu/dreh-dich.html unter der CC BY 3.0“-Lizenz

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