Weihnachts – Special#15

Weihnachtsgeschichte:

 

Stollenbacken mit Hindernissen

 

In dem Hause ist heute große Aufregung, denn es sollen die Stollen, der Festkuchen, gebacken werden. Die gute Mutter hat alle Hände voll zu tun mit Heranschaffen der einzelnen Bestandteile, mit Anordnen und Ruhe gebieten, eine schwere Aufgabe, da die Kinder heute noch mehr außer Rand und Band sind als sonst.
Endlich bringt Miene die große Mulde, in der der Teig für die Stollen angerührt werden soll; das große Werk kann beginnen. Rings umher stehen die Kinder zuzuschauen. Das Mehl wird eingeschüttet, Milch dazu, Butter, so dass ein Brei entsteht, den Miene emsig mit ihren kräftigen Händen drückt und knetet.

Fritzchen bemerkt auf dem danebenstehenden Tisch die Schale mit Streuzucker, ihn treibt das Gelüste zu prüfen, wie es schmecke. So reckt der Taugenichts sich in die Höhe, um mit dem nassen Finger einzutippen, verliert aber das Gleichgewicht, stößt gegen die Schale, welche vom Tische fliegt und ihren ganzen Inhalt über den Fußboden verstreut. Fritz kriegt Schläge, und Mine muss neuen Zucker vom Kaufmann holen.
Mittlerweile ist es den beiden älteren Kindern, Otto und Hedwig, langweilig geworden, so tatenlos dazustehen; wenn was Neues kommt, sind sie ja früh genug da, in der Zwischenzeit spielen sie Ball, necken und jagen sich. Die Mama hat anderes zu tun, als sich nach ihnen groß umzuschauen. Als nun Miene wieder frisch beim Kneten ist, fliegt plötzlich ein schwarzer Gegenstand an die Wand, prallt ab und springt mitten in den Teig, den Miene gerade hoch aufgeworfen hat, und versinkt in ihm. Lautlose Stille!
Endlich ruft Mama: “Was ist denn das?”
Hedwig sagt leise: “Otto hat den Schuh an die Wand geworfen; er wollte sehen, ob er ihn als Ball fangen könnte!”
“Ja, da ist er falsch abgesprungen!” meint Otto.
“Ach, diese Kinder!” ruft Mama erbittert. “Wartet, ihr bekommt eure Schläge noch! Nun aber raus mit euch, und dass ihr euch hier nicht wieder blicken lasst.” Die Kinder ziehen ab.
Nachdem der unselige Schuh aus dem Teig herausgegraben war, zeigt es sich, dass Otto sich gerade einen recht schmutzigen ausgesucht hatte. Mit tiefem Seufzer muss Mama einen großen Teil des bald fertigen Teiges opfern und die Arbeit von neuem beginnen.
“Mach schnell, Miene! Hol aus der Küche noch die Milch zum Zugießen!” Miene eilt hinaus, kommt aber sofort bestürzt zurück.
“Die Katze ist bei der Milch gewesen; ich fand sie eben mit dem Kopf tief in den Topf!” schreit sie.

“Da hört aber alles auf!” ruft Mama. “Was nun? Unsere letzte Milch! Versuche, neue Milch zu erhalten. Aber schnell!”
Miene läuft mit dem Topf über die Straße, von einer Milchhandlung in die andere; alle sind heute ausverkauft, da in allen Haushaltungen mehr Milch gebraucht wird. Endlich erwischt sie irgendwo noch einige Reste und eilt damit heim. Ehe die Milch aufgekocht ist, vergeht Zeit, währenddessen die Hausfrau schier in Verzweiflung geraten will, denn sie fürchtet, der Teig wird nicht mehr recht aufgehen. Und eine lockere, schöne Stolle ist doch der Stolz der Hausfrau.
“Ich backe nie wieder Stolle”, versichert sie, indem der Backtrog mit dem Inhalt am warmen Ofen, sorgsam zugedeckt, hingestellt wird. “Mag ein anderer den heillosen Ärger durchmachen; ich nicht.”
Als Miene am nächsten Mittag, den so oft arg gefährdeten Stollen vom Bäcker über die Straße heimträgt, freut sie sich über das trotzdem herrlich gelungene Werk. Ich ahne sogar, dass niemals den Kindern ein Festkuchen so prächtig geschmeckt hat wie der diesjährige. Ob Mama auch zufrieden war? Ob sie später wieder selbst gebacken hat?

Verfasser unbekannt, ca. 1900 geschrieben

 

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Mfg

Matthias 😀

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