Buchrezension#25 – Europa spart sich kaputt

image

Titel: Europa spart sich kaputt
Autor: Joseph Stiglitz
Verlag: Siedler Verlag
Erscheinung: 30.09.2016
Seitenanzahl: 528 Seiten

Inhalt:

Joseph Stiglitz ist einer der schärfsten Kritiker jener Sparpolitik, die aus Sicht der deutschen Bundesregierung der einzige Weg aus der Eurokrise ist. Doch kein noch so hartes Spardiktat kann die Geburtsfehler der Gemeinschaftswährung ausgleichen, so Stiglitz.
Damit die gemeinsame Währung die Einheit Europas nicht vollends zerstört, müssen die Mitgliedsstaaten der Eurozone neue Wege beschreiten. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz, Berater mehrerer europäischer Regierungen, zeigt, wie diese Wege aus der Krise aussehen könnten.

Der Autor:

Joseph Stiglitz, geboren 1943, war Professor für Volkswirtschaft in Yale, Princton, Oxford und Stanford, bevor er 1993 zu einem Wirtschaftsberater der Clinton-Regierung wurde. Anschließend ging er als Chefvolkswirt zur Weltbank und wurde 2001 mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet.
Heute lehrt Stiglitz an der Columbia University in New York und ist ein weltweit geschätzter Experte zu Fragen von Ökonomie, Politik und Gesellschaft.
Bei Siedler erscheinen unter anderem seine Bestseller „Die Schatten der Globalisierung“ (2002), „Die Chancen der Globalisierung“ (2006), „Im freien Fall“ (2010), „der Preis der Ungleichheit“ (2012) und zuletzt „Reich und Arm“ (2015).

Rezension:

Als es 2008 zu der weltweiten Finanzkrise kam, waren einige Länder, darunter Griechenland, Spanien, Portugal, und einige mehr, am schlimmsten betroffen. Wobei in diesen Ländern, vor allem in Griechenland, die Krise bis heute noch immer nicht überwunden ist…..

In seinem Werk, zeigt Joseph Stiglitz, in vier hoch interessanten Teilen auf, was zu dieser Krise geführt hat, warum es einigen Länder Europas, so extreme ausmaße annahm, die bis heute andauern, so wie auch die zahlreichen Fehler die die Politik seit Beginn der EU, sowie in der Krise selbst machte.

Im ersten Teil geht es vor allem um den Euro und der Idee einer gemeinsamen Währung. Hier zeigt der Autor auf, welche Fehler schon von Anfang an gemacht wurden und das es scheinbar nur eine Frage der Zeit war, das die Währungsunion zerbricht.
Aber auch hier zeigt er schon, was die Politik verabsäumt hat und was und wie man es von Beginn an anders hätte machen müssen.

Im zweiten und dritten Teil des Buches, rechnet er mit den unmenschlichen Praktiken der Troika, des IWF’s sowie auch mit der Deutschen Regierung ab.
Dabei verurteilt er die extremen Sparmaßnahmen, Auflagen, usw., mit denen vor allem Griechenland konfrontiert wurde, auf das schärfste.
Da dabei die Schwächsten der Gesellschaft am Leidtragendsten waren. Die Armen wurden noch Ärmer, die Arbeitslosigkeit stieg auf ein Rekordhoch, Zwangsexekutionen von Eigenheimbesitzern, uvm., nur um den Sparauflagen gerecht zu werden.
Auch zeigt er klar und deutlich, wem, überhaupt damit geholfen wurde und wer die wahren verliere sind.

Hier kommen wieder einige Beispiele hinzu, wie man diese Situation hätte anders machen können, um vielleicht, oder sogar wahrscheinlich, das Gegenteilige damit erreicht hätte.

Im vierten und letzten Teil des Buches, geht es dann konkret um die verschiedenen Reformen, die Europa machen könnte/sollte, um den Euro und somit vielleicht auch das gesamte Europäische Projekt, retten zu können.
Wobei einige seiner vorgeschlagenen Reformen verschieden auswirkungen hätten.
Manche würden den Euro retten, andere wiederum einen „neuen Euro“ einführen. Mit anderen seiner Reformen schlägt er sogar eine Auflösung der EU vor, oder ein Austritt einiger wohlhabenderer Länder vor, darunter Deutschland.

Im Nachwort geht er dann nochmals auf die ideologischen Beweggründe der Politik und der Wirtschaft ein, die die gesamten Fehler, erst verursacht haben, uvm.
Auch geht er auf den Brexit und auf die Flüchtlingskrise und deren Folgen ein.

Insgesamt kann man sagen, dass es ein sehr interessantes Buch ist, wo der Leser einen tiefen Einblick hinter die Kulissen der Weltwirtschaft und der Politik bekommt.
Das Buch ist im großen und ganzen eine Abbrechnung mit der gesamten EU-Politik und ihren Wirtschaftsvorstellungen und Ideologien.
Auch, so lässt der Autor erkennen, dass er nicht gerade ein Freund des Liberalismus/Neoliberalismus ist.
Aufgrund des Genres, dass es eben ein Politisches und Wirtschaftliches Buch ist, wird nicht jeder Leser seiner Meinung sein.
Auch einige seiner vorgeschlagenen Reformen, sind mit einem kritischen Auge zu betrachten, wie die Abschaffung des Bargeldes, um nur eines zu nennen.

4 von 5 Sternen

Cover:

image

Leseprobe und weitere Infos zum Buch, wie immer auf:
http://www.Randomhouse.com

Mfg
Matthias 😀

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mit Sicherheit ein interessantes Buch, das auch mal tiefere Einblicke gewährt. Jedoch hoffe ich, dass die erwähnten Zwangsexekutionen von Eigenheimbesitzern in Wirklichkeit Zwangsevakuierungen waren…
    😉

    Gefällt 2 Personen

    1. Ohh! Hoppla. XD
      Ja sollte eigentlich heißen“von Immobilien von Eigenheimbesitzern“

      Vielen Dank! 🙂

      Gefällt 1 Person

    2. Exekution bedeutet in Österreich „gerichtliche Pfändung“.

      Gefällt 2 Personen

      1. Heute steh ich mal echt auf der Leitung! Echt Peinlich! 😉
        Aber Vielen Dank!! 😀

        Gefällt 1 Person

      2. Ich finde das schon immer total witzig, wie unterschiedlich Sprache gebraucht wird. Außerdem macht es deutlich, wie wichtig die Definition eines Begriffes ist, bevor man anfängt, darüber zu diskutieren.

        Gefällt 1 Person

      3. Ja, das stimmt. Früher war es auch für mich selbst seltsam, da die ältere Generationen (40/50) auch meine Großmutter, immer die Polizei, „Exekutive“ nannte. XD

        Gefällt 1 Person

      4. Na ja, es heißt halt „Vollstreckung“. Und man könnte auf den Gedanken kommen, dass bei diesem Wort der durchschnittliche Deutsche gleich an die radikalste Form denkt und der Österreicher – natürlich auch regional verschieden – eher an eine mehr oder weniger moderate Bestrafung. Dreimal darfst du raten, wozu ich mich mehr hingezogen fühle.

        Gefällt 1 Person

      5. Oh, das erklärt alles. Vielen Dank – wieder etwas dazugelernt. Trotzdem etwas bizarr, dass Exekution in Deutschland für Vollstreckung eines Todesurteils steht und in Österreich für gerichtliche Pfändung…
        Was würde wohl passieren, wenn ein österreichischer Richter an einen deutschen Gericht arbeitete… 😉

        Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Matthias, Exekution heißt im deutschen Verständnis „Kopf ab“. Bei meinem ersten Strafzettel aus Tirol war ich auch erstaunt, dass man mir bei Nichtzahlung mit Exekution drohte.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ah! Okay. Das kann ich mir vorstellen, dass du dann erstaunt warst. Unser Juristendeutsch stammt glaube ich auch noch vom Mittelalter, oder so! XD XD

      Ohh! Mein Fehler! XD
      Und danke, für den Erklärungzusatz! 😉 XD

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.