9. November 1938 – Der Beginn des Terrors!

Heute vor 80 Jahren am 9. November 1938, begannen die Novemberprogromnächte im gesamten Deutschen Reich.

Hierbei wurden vom 7. bis 13. November 1938, fast 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben. Über 1400 Synagogen, Betstuben, tausende Geschäfte, Wohnungen und auch jüdische Friedhöfe wurde zerstört, in Brand gesteckt und entweiht.

Ab dem 10. November begann auch die Inhaftierung von über 30.000 Juden in Konzentrationslager, wobei auch hier Hunderte ermordet wurden.

Bild: München.- Reichspogromnacht (9.11.1938).- Brennende Ohel-Jakob-Synagoge/This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.
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Attribution: Bundesarchiv, Bild 146-1970-041-46 / Unknown / CC-BY-SA 3.0

Die Progromnächte waren der Beginn bzw. der Übergang von der Diskriminierung zur totalen, systematischen Verfolgung und dem Beginn des Holocaust, kurz darauf.

Trotz der schon Jahre zuvor radikalen Diskriminierung der Juden, nahm man eine Ermordung eines deutschen Diplomaten zur Rechtfertigung der von nun an gewaltsamen und tödlichen Übergriffen. In der NS – Propaganda wurde dieser kurzerhand in “spontanen Volkszorn“ umbennant. Trotz eben der Tatsache, dass es keineswegs spontan war. Denn seit Anfang 1938 war die “Arisierung“, die Zwangsenteignung jüdischen Besitzes, festes Programm des Wirtschaftsplanes der NSDAP.

Denn seit 1920 stand schon die totale Enteignung der Juden, eben im 25 Punkte Programm der NSDAP. Doch Heinrich Himmler tätigte im Januar 1938 erstmals öffentlich eine Aussage zur “totalen entjudung Deutschlands. “Diese könne am Besten durch die Mobilisierung des “Volkszorns“ und Ausschreitungen erreichet werden“

Bild: An den Fenstern jüdischer Geschäfte werden von Nationalsozialisten Plakate mit der Aufforderung „Deutsche, wehrt euch, kauft nicht bei Juden“ angebracht./Georg Pahl

Mit dem Anschluss Österreichs am 12. März 1938, kamen 192.000 Juden zu den 350.000 Juden im “Altreich“ dazu.

Mit rund 9% war die Stadt Wien, eine Stadt mit einem großen jüdischen Bevölkerungsanteil. Hier kam es deshalb Wochenlang zu extremen Ausschreitungen. SA – Mitglieder prügelten tausende jüdische Geschäftsinhaber aus ihren Läden und Wohnungen. Wobei NSDAP – Mitglieder sofort die Geschäfte besetzten und übernahmen, als “Wiedergutmachung“.

Bild: Wien, SS-Razzia bei jüdischer Gemeinde Österreich, Wien.- Razzia der SS in der israelitischen Kultusgemeinde/This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Germany license.
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Attribution: Bundesarchiv, Bild 152-64-40 / CC-BY-SA 3.0

Viele Juden versuchten deshalb zu fliehen. Doch in der internationalen Konferenz von Evian, erklärte sich keiner der 32 Staaten bereit jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Im Gegenteil, auch die Schweiz protestierte lautstark gegen eine Aufnahme von Juden, da sie eine “Verjudung“ befürchteten.

Im Nachhinein wurden im Großdeutschen Reich allen Juden sogar die Reisepässe zerstört und ersetzt durch einen “Judenstempel“. Im August wurde in Wien durch Adolf Eichmann die Zentralstelle für jüdische Auswanderung eingerichtet.

Man geht heute von mindestens 400 Todesopfern allein in der Pogromnacht aus. Darin sind Selbsttötungen und schwere Körperverletzungen mit Todesfolge enthalten. Allein z. B. in Nürnberg wurden schon am 9. November neun Morde, zehn Selbsttötungen und sieben plötzliche Todesfälle von Juden verzeichnet. Hinzu kam eine unbekannte Zahl von Vergewaltigungen jüdischer Frauen.

Von den annähernd 30.000 verhafteten und deportierten Juden wurden nachweislich 10.911 – einschließlich von etwa 4.600 Wienern – ins KZ Dachau, 9.845 ins KZ Buchenwald eingeliefert. Für das KZ Sachsenhausen schätzt man mindestens 6.000, eher aber 10.000 Inhaftierte. Die Lagerhaft kostete nochmals Hunderte Menschenleben: In Buchenwald fanden nach Angaben der Lagerverwaltung 207 Juden, in Dachau 185 den Tod, die Opferzahl von Sachsenhausen ist unbekannt. Auch hier wird zusätzlich eine hohe Dunkelziffer angenommen. Denn bereits bei der Ankunft in den KZs wurden Dutzende Juden erschossen, Hunderte starben bei Fluchtversuchen oder an den Strapazen der Zwangsarbeit in den Lagern. Tausende der Überlebenden wurden schwer körperlich verletzt – allein im Jüdischen Krankenhaus Berlin mussten später 600 erfrorene Gliedmaßen amputiert werden – und seelisch traumatisiert.

Die meisten der überlebenden Inhaftierten wurden bis August 1939 wieder entlassen, sofern sie sich schriftlich zur „Auswanderung“ bereit erklärten und ihren Besitz dem Staat übereigneten. Die Zahl der Ausreiseanträge stieg seit dem 9. November 1938 sprunghaft an: Bis Kriegsbeginn verließen noch einmal etwa 200.000 Juden das Reich, mehr als insgesamt von 1933 bis 1938. Sie mussten überall im Ausland ein „Vorzeigegeld“ nachweisen und konnten ihre Ein- und Ausreisevisa häufig nur noch über den Schwarzmarkt, durch Kredite von ausländischen Verwandten und Beamtenbestechung erlangen.

Der in Berlin geborene israelische Antisemitismusforscher Avraham Barkai wies 1988 darauf hin, dass fast alle Synagogen im Reich zerstört worden seien; neuere Forschungsarbeiten des Synagogue Memorial haben dies bestätigt und eine Gesamtzahl von 1.406 vollständig zerstörten Synagogen und Betstuben ermittelt. Von Wiens einst etwa 25 Synagogen überstand nur der Stadttempel in der Wiener Innenstadt die Pogrome relativ unbeschadet, fast alle übrigen wurden in Brand gesetzt. Die etwa 70 Bethäuser und -räume in der Stadt wurden allesamt verwüstet und teilweise ebenfalls in Brand gesetzt; von Berlins 14 Synagogen wurden 11 vollständig niedergebrannt, die übrigen drei schwer demoliert. Zerstört wurden ferner etwa 7.500 jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gemeindehäuser und Friedhofskapellen.

Daraufhin mussten sich viele der jüdischen Kultusgemeinden auflösen; Gottesdienste konnten nur noch privat ohne zeremonielle Gegenstände stattfinden, da vor allem die wertvollen Torarollen verbrannt oder konfisziert worden waren. Die Gottesdienste wurden nun jedoch meist gut besucht: weniger weil die Frömmigkeit wuchs, sondern weil die Mitglieder sich gegenseitig unterstützen mussten, nachdem ihnen jede Existenzgrundlage entzogen, Versammlungen verboten waren und sie die Straßen nur noch unter Lebensgefahr betreten konnten.

Mehr dazu: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrome_1938

Mfg

Matthias 🙂

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ein fürwahr immer wieder trauriges Kapitel,
    wenn man die Geschichtsseiten aufschlägt …

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  2. Es ist gut und wichtig immer wieder darauf aufmerksam zu machen! Danke!

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    1. Das ist wahr!
      Derzeit scheint es ja so, als hätte es diese Zeit/diese Taten nie gegeben. 😩
      Bitteschön! 😊

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