Die Montagslyriker – Anna Le Pinsk

Der letzte Monat in diesem Jahr ist nun angebrochen, der erste Adventsonntag ist vorrüber und die ersten drei Türchen im Adventskalender sind auch schon offen. Langsam aber sicher neigt sich das Jahr dem Ende zu, dass heißt aber nicht, dass es hier bei den Montagslyrikern auch so ist……..im Gegenteil……den heute gibt es wieder lyrische Frauenpower bei der wunderbaren Mia auf Miasraum und bei mir.

Heute dürfen wir euch die großartige Anna Le Pinsk vorstellen, unsere 6. Montagslyrikerin in der aktuellen 5. Runde. Mitgebracht hat sie uns Antworten auf unsere fünf Fragen und natürlich auch wieder hervorragende Werke aus ihrem meisterhaft lyrischen Repertoire.

Aber nun wird es Zeit, sie selbst zu Wort kommen zu lassen:

Viel Vergnügen! ☕😃

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?
(Der Mensch, die Muse, das Unglück)

Für so manch einen kann die Liebe ein Dämon sein, aber ich, die ich einst das Glück hatte, von ihr in ihrer reinsten und erstrebenswertesten Form geküsst worden zu sein, nehme mich da heraus. Es war ein Moment der literarischen Metamorphose in meinem Kopf, denn mit einem Mal sprudelten die Verse nur so aus meiner Feder und ich begann Liebesgedichte zu schreiben. Die Liebe ist ein Thema, das täglich von mannigfaltigen Impulsen genährt wird, und so sind neben Gedichten, die Liebeserklärungen gleichen auch solche von Verlustängsten, Trennung, aber auch der Selbstliebe in meiner Sammlung zu finden.

2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du … (Erzähl uns von deinen Macken, schlechten und guten)

Eigenschaften, von deinen dunklen Geheimnissen)
Der muss wissen, dass ich kompromisslos loyal und leidenschaftlich in allem, was ich tue, bin. Wer mich näher kennt, wird bestätigen können, dass ich ebenso widersprüchlich sein kann – eine extrovertierte Introvertierte sowie eine sehr emotionale Rationalistin zum Beispiel. Und manchmal habe ich Flausen im Kopf. Alles in allem scheine ich aber einer ganzen Reihe von Menschen seit Jahren und Jahrzehnten nicht auf den Sack zu gehen, denn sie melden sich regelmäßig und ich interpretiere aus unserer Kommunikation, dass mir viel Nächstenliebe entgegengebracht wird, die mich sehr glücklich macht.

3. Welche Götter verehrst du?
(Künstler, die dich prägten, die du gerne liest oder empfehlen möchtest.)

Man könnte sagen, dass ich im Germanistikstudium der Lyrik des Expressionismus verfallen bin. Besonders Heym und Trakl haben mich durch ihre düsteren Neologismen geprägt. Die Art und Weise, wie Trakl seine Ängste mit Worten malte, weckte in mir die Liebe zur Synästhetik, die sich oft auch in meinen Gedichten wiederfindet. Aktuell berühren mich vor allem Nayyirah Waheed und Rupi Kaur. Die Perspektive meiner Mitmenschen auf die Liebe im Allgemeinen ist aber das, was meine Gedanken täglich nährt. Im positiven wie im negativen Sinne.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?
(Lesungen, Poetry-Slam, Veröffentlichen in Zeitschriften, Büchern, Internet usw.)

Vor über einem Jahr habe ich, ermutigt durch Freunde und Bekannte, mit dem Blog Lyrik für den Fuchs begonnen, der aktuell aber ruht, und der gleichnamigen Facebookseite. Mit Sicherheit werde ich ihn noch einmal ins Leben rufen, aber derzeit konzentriere ich mich auf mein Instagramprofil (www.instagram.com/annalepinsk). Dort kann man regelmäßig Zitate, Akrosticha und eher klassische Gedichte von mir lesen. Bislang habe ich an einem Poetry Slam teilgenommen, was eine großartige erste Publikumserfahrung für mich war. Von Lesungen oder Veröffentlichungen träume ich gerade noch so vor mich hin, aber ich denke, alles hat seine Zeit. Manchmal ist es sinnvoll, aktiv zu werden und manchmal fügen sich Dinge unerwartet.

5. Und nun, zeige dich!
(Mit bis zu zehn charakteristischen Werken, die du uns vorstellen magst. Mit einem Bild von dir? )

Weiß verstaubte Wirklichkeit

Winterstaub auf schwarzem Grund
Leuchtet uns grellblind den Pfad.
Taumelnd halten wir dran fest,
Purpurn blühte einst die Saat.

Als ich fiel, hielt mich dein Arm
Und der Himmel nahm uns auf.
Eng umschlungen schwebten wir
In der Sterne Reich hinauf.

Labyrinth im Himmelszelt.
Ich verlor dich an die Zeit.
Spät greifst du erneut nach mir,
Staubverklärte Wirklichkeit.

A.L.

Verwoben

Unsre Seelen sind verwoben,
Schemenhafte Traumgewänder.
Unsre Venen sind versponnen.
Rar sind diese Purpurbänder.

Uns verbinden Leidenschaften,
Flüsse, die in Meere münden,
Körper, die einander nähren,
Sich zum Sinnesrausch verbünden.

Die Gedanken spiegeln leise,
Was die Blicke süchtig wispern.
Und berührn sich unsre Lippen,
Hört man atemloses Knistern.

All das lässt uns beide spüren,
Dass wir nicht zu sehnen brauchen.
Sind wir doch dazu erschaffen,
In des andren Geist zu tauchen.

A.L.

Worte finden

Sommernacht dich anzuschauen,
Warm und endlos, samtenweich,
Dich zu spüren, einzuatmen
Einem Sommerregen gleich.

Ich bin ewig weit gereist,
Sternenschweifelange Meilen,
Auf der Suche nach den rechten,
Dir gerechten Liebeszeilen.

Worte, die dir mein Gefühl
Malvenrot gestehen wollen,
Gibt es nicht, sie klingen einfach
Nie so, wie sie klingen sollen.

Sommernacht in dich zu blicken,
Schemenhaft seh ich auch mich.
Werde weiter Schwüre suchen.
Solang sag ich: Liebe dich.

A.L.

Ausgeträumt

Unsere Träume waren safranrot umsäumt,
Wie das Herbsthaar mancher Bäume
Sich auf ihrem Haupt aufbäumt.
Doch aus Eichen wurden Weiden
Und der Saum erlag dem Leiden
Vieler trauergrauer Krallen.
Höre noch die Tränen fallen.
So war das, was einst mit Herz umsäumt,
Noch vor dem Jänner ausgeträumt.

A.L.

Mfg

Matthias 😀

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