Weihnachtsspecial#4 2019 🎄

Einen wunderschönen Mittwochabend 👋🏻☺️

Leider kam heute ein Besuch dazwischen, so dass es ein wenig später wurde und daher es jetzt nochmals eine Geschichte gibt. 🙈😅

Dafür wird es morgen die Fakten zu Weihnachten und zur Adventszeit geben. 👍🏻😅

Am Weihnachtsmorgen 1772

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Christtag früh. Es ist noch Nacht, lieber
Kestner, ich bin aufgestanden, um bei Lichte morgens wieder zu
schreiben, das mir angenehme Erinnerungen voriger Zeiten zurückruft; ich
habe mir Coffee machen lassen, den Festtag zu ehren, und will euch
schreiben, bis es Tag ist. Der Türmer hat sein Lied schon geblasen, ich
wachte darüber auf. Gelobet seist du, Jesus Christ! Ich hab diese Zeit
des Jahrs gar lieb, die Lieder, die man singt, und die Kälte, die
eingefallen ist, macht mich vollends vergnügt. ich habe gestern einen
herrlichen Tag gehabt, ich fürchtete für den heutigen, aber der ist auch
gut begonnen, und da ist mir’s fürs Enden nicht angst.

Der
Türmer hat sich wieder zu mir gekehrt; der Nordwind bringt mir seine
Melodie, als blies er vor meinem Fenster. Gestern, lieber Kestner, war
ich mit einigen guten Jungens auf dem Lande; unsre Lustbarkeit war sehr
laut und Geschrei und Gelächter von Anfang zu ende. Das taugt sonst
nichts für de kommende Stunde. Doch was können die heiligen Götter nicht
wenden, wenn’s ihnen beliebt; sie gaben mir einen frohen Abend, ich
hatte keinen Wein getrunken, mein Aug war ganz unbefangen über die
Natur.

Ein schöner Abend, als wir zurückgingen; es ward Nacht.
Nun muß ich Dir sagen, das ist immer eine Sympathie für meine Seele,
wenn die Sonne lang hinunter ist und die Nacht von Morgen heraus nach
Nord und Süd um sich gegriffen hat, und nur noch ein dämmernder Kreis
von Abend herausleuchtet. Seht, Kestner, wo das Land flach ist, ist’s
das herrlichste Schauspiel, ich habe jünger und wärmer stundenlang so
ihr zugesehn hinabdämmern auf meinen Wanderungen.

Auf der Brücke
hielt ich still. Die düstre Stadt zu beiden Seiten, der stilleuchtende
Horizont, der Widerschein im Fluß machte einen köstlichen Eindruck in
meine Seele, den ich mit beiden Armen umfaßte. Ich lief zu den Gerocks,
ließ mir Bleistift geben und Papier und zeichnete zu meiner großen
Freude das ganze Bild so dämmernd warm, als es in meiner Seele stand.
Sie hatten alle Freude mit mir darüber, empfanden alles, was ich gemacht
hatte, und da war ich’s erst gewiß, ich bot ihnen an, drum zu würfeln,
sie schlugen’s aus und wollen, ich soll’s Mercken schicken. Nun hängt’s
hier an meiner Wand und freut mich heute wie gestern.

Wir hatten
einen schönen Abend zusammen, wie Leute, denen das Glück ein großes
Geschenk gemacht hat, und ich schlief ein, den Heiligen im Himmel
dankend, daß sie uns Kinderfreude zum Christ bescheren wollen.

Als
ich über den Markt ging und die vielen Lichter und Spielsachen sah,
dacht ich an euch und meine Bubens, wie ihr ihnen kommen würdet, diesen
Augenblick ein himmlischer Bote mit dem blauen Evangelio, und wie
aufgerollt sie das Buch erbauen werde. Hätt ich bei euch sein können,
ich hätte wollen so ein Fest Wachsstöcke illuminieren, daß es in den
kleinen Köpfen ein Widerschein der Herrlichkeit des Himmels geglänzt
hätte.

Die Torschließer kommen vom Bürgermeister und rasseln mit
den Schlüsseln. Das erste Grau des Tags kommt mir über des Nachbarn
Haus, und die Glocken läuten eine christliche Gemeinde zusammen. Wohl,
ich bin erbaut hier oben auf meiner Stube, die ich lang nicht so lieb
hatte als jetzt.

Mfg

Matthias ☺️

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..