Weihnachtsspecial#12 2019

Die Geschichte von der Frau Holle

Vor ganz
undenklich langer Zeit, da gab es noch gar kein Christkindchen, sondern
nur eine Frau Holle, die wohnte nicht weit von uns auf der höchsten
Spitze der Odenwaldberge, auf der kalten, windigen Böllsteinerhöhe. Die
schönen Odenwaldberge waren damals noch nicht wie jetzt, fast bis hinauf
mit fruchtbaren Feldern und schönen Wiesen bedeckt, sondern dunkle
Wälder zogen sich fast bis zu ihrem Fuße hinab, in denen Hirsche und
Rehe herumsprangen und wo eine Menge von Köhlern wohnten, die ganze
Gebirge von Kohlen brannten und diese dann hinunter in die Täler zum
Verkaufe brachten. Zwischen den Tannen – und Buchenbäumen aber wuchs
noch ein kleiner Wald von Ginster, so dass es im Frühjahr, wenn sie
blühten, aussah, als sei der ganze Odenwald mit Gold bestreut. Von
diesen gelben Blüten naschten Millionen Bienchen den süßen Blumenstaub
und waren sie abgeblüht, dann kamen die Besenbinder, schnitten die
Reiser ab und banden Besen davon. Für die Bienchen aber blühten nun
ganze Felder von Heidekraut, und schien der Odenwald zuvor gelb, so war
er jetzt fast rot. Wenn dann auch die Heide all‘ ihre Süßigkeit
hergegeben und zu verblühen begann, so flogen die Bienchen hinunter in
die Täler und brachten ihren Honigseim den Bäckern, die köstliche braune
Lebkuchen davon machten. – So schön war es damals im Odenwald und ist
es zum Teil noch, wenn es auch nicht alle Leute wissen und sehen.

Auf der höchsten Spitze aber, auf dem Böllstein, war schon zu jener Zeit
ein großer freier Platz, der von hohen Tannen eingefasst war und auf
dem eine Menge Steine und Felsen herumlagen. Da hatte die gute Frau
Holle ihren Sitz und konnte über die anderen Berge hinweg, weit
hinaussehen in das Land, bis an den Rhein, den Main und den Neckar. Sie
liebte alle Menschen, die da herum wohnten in Städten und Dörfern, sie
kannte sie Alle und belohnte und bestrafte sie, je nachdem sie es
verdienten. Ebenso kannte Jedermann die Frau Holle; die Guten liebten
und die Bösen fürchteten sie, denn sie sah mit ihren hellen,
durchdringenden Augen rings umher Alles, was geschah. – Die Frau Holle
hatte auf dem Böllstein kein Haus, in dem sie wohnte, und wer am hellen
Tage über den Berg ging, der merkte nichts von ihr, in lauen
Sommernächten aber hörte man rings zwischen den Bäumen ein Kichern und
Zischeln und Lachen, dass es den Leuten ganz sonderbar zu Mute ward und
sie lieber einen weiten Umweg machten, als über den Berg gingen. Im
Winter, wenn die Tage am kürzesten waren, da sah man auch manchmal ein
helles Feuer auf dem Böllstein glänzen, aber nur von Weitem, denn da lag
der Schnee ellenhoch und es hätte Keiner sich hinauf getraut, wie auch
Keiner den Pfad kannte, der zwischen den Felsen durch unter die Erde und
gerade hinein in Frau Holles goldnen Saal führte, in dem sie wohnte.
Der Saal war wunderschön; er hatte goldne Wände und eine silberne Decke,
die von Säulen aus blauen Steinen getragen ward. Da drinnen saß die
Frau Holle, umgeben von einer ganzen Schar kleiner Englein, die
rosenrote Flügel an den Schultern trugen und statt der Kleider in ihren
langen, blonden Locken gehüllt waren, welche ihnen bis auf die kleinen
Füße herabfielen. Mit den Engelein arbeitete die fleißige Frau Holle Tag
und Nacht; sie spannen, strickten und webten, dass es eine Lust war.
Wenn aber der Frühling kam, dann stieg Frau Holle herauf auf die Erde,
zog ein langes, grünes Kleid an, setzte einen Kranz von Kornblumen und
Ähren auf und fuhr in einem goldnen Wagen, den zwei schneeweiße Kühe
zogen, über das ganze weite Land, das sie von ihrer Höhe aus übersehen
konnte. Wo sie vorüber kam, streute sie Samenkörner aller Art aus und
gleich darauf prangte die Erde in den verschiedenartigsten Farben. Hier
breitete eine grüne Wiese ihren Blumenteppich aus, dort wogte ein
reifendes Kornfeld, daneben lag wie ein blaues Tuch ein Acker mit
blühendem Flachse ausgespannt, und gelbe Rapsfelder durchschnitten
gleich langen Bändern die Flur nach allen Richtungen. Das Alles ließ die
gute Frau Holle wachsen, aber nur auf den Feldern der fleißigen
Menschen, auf denen der Faulen machte sie Disteln und Unkraut
emporschießen. Wenn dann die Erde so schön geschmückt war, fuhr sie
wieder heim in ihren goldnen Saal und nur an milden Sommerabenden, wenn
der Mond schien und die Sterne flimmerten, stieg sie mit den Englein
wieder herauf und da tanzten sie auf dem dichten Heidekraut, das den
Böllstein bedeckt, den Ringelreihen, wozu alle Vögel im Walde
musizierten. So trieben sie es den ganzen Sommer und Herbst über, aber
wenn die Blätter abfielen und die Nordwinde sausten, da ward es gewaltig
kalt auf dem Böllstein, so dass man sich des Nachts lieber in ein
warmes Bett steckte, als draußen herumtanzte. Der Frau Holle ging es
auch so und sie befahl den Engelein ihr Federbett zurecht zu machen und
tüchtig aufzuschütteln. Wenn die Engelein das hörten, waren sie sehr
vergnügt, es gab für sie keine größere Lust, als Frau Holles Bett
zurecht zu machen. Sie schüttelten und rüttelten an den Federn und Eins
warf unter lautem Lachen das Andere hinein, so dass die Flocken bis über
den Rhein und den Main hinüber flogen und stoben. Da sagten die Leute
drunten im Tal und in der Ebene: „Es wird Winter, die Frau Holle
schüttelt ihr Bettchen aus!“ Und sie holten die Pelzkappen und Pelzröcke
hervor und steckten sich tief hinein. die Frau Holle hatte aber auch
einen dicken, warmen Pelzrock und eine Pelzmütze, die zog sie nun statt
des schönen Kranzes über die Ohren. Für die Engel waren kleine Pelzröcke
und Pelzkappen da und wenn es ein schöner Winterabend war, zogen sie
von der Böllsteinhöhe aus und folgten der Frau Holle, wohin diese sie
führte. Die Frau Holle war eine überaus fleißige und reinliche Frau und
hasste nichts so sehr, als den Schmutz und die Faulheit. So wie sie im
Sommer die faulen Landwirte strafte, machte sie es im Winter mit den
schmutzigen und faulen Frauen und Mädchen. Darum kam sie des Abends in
die großen Stuben, wo die Mütter und Töchter zusammen saßen und spannen,
strickten und nähten. Sie setzte sich zu ihnen, arbeitete mit ihnen und
gab genau Acht, wer seine Sache gut machte. Wenn ein Kind ein schönes,
reines Strick- und Nähzeug hatte, fand es am anderen Morgen in seinem
Körbchen eine hübsche, neue Puppe, oder ein Bilderbuch, oder einen
großen, braunen Herlebkuchen. – Den Strümpfen aber, die überall
Jahresringe von Schmutz zeigten und den Hemden und Schnupftüchern, die
genäht waren, als ob sie von Sackleinen wären, denen war die Frau Holle
todfeind. Da kamen die Engelein in der Nacht, fielen mit langen, feinen
Scheren über die schlechte Arbeit her und zerschnitten sie in tausend
kleine Stückchen, und wo ein unordentlicher Spinnrocken stand, den
zerrupften und zerzupften sie so gründlich, dass auf der Welt nichts
mehr damit anzufangen war. Kamen dann am andern Morgen die
unordentlichen Mädchen und Kinder an ihre Arbeit, so fanden sie die
Bescherung, aber keine Christbescherung, keine Puppe, kein Bilderbuch,
sondern nur schmutzige Fädchen und Läppchen, und die Schande und den
Spott obendrein.

Den schmutzigen Mama’s aber ging es am allerschlimmsten; da brachten die
Engelein in der Nacht lange Besen mit und fegten den Schmutz aus den
Ecken hervor, wo man ihn hineingesteckt hatte. Sie kehrten alles an die
Türschwelle, das gab oft einen Berg fast so hoch wie der Böllstein, und
wenn die Leute am Morgen zur Türe hinaus wollten, waren sie in ihrem
eignen Schmutz gefangen und mussten ihn erst hinwegschaffen, ehe sie
wieder frei herumgehen konnten. Auf diese Weise ward es wenigstens
einmal im Jahre sauber im Hause und es wäre ein rechtes Glück, wenn die
Engelein jetzt auch noch manchmal zum Fegen kämen. Weil es aber jetzt so
ungeheuer viele Bücher gibt, in denen alles, was die Frauen und Mädchen
tun sollen, geschrieben steht, denken sie, sie könnten sich die Mühe
sparen und brauchten kein Beispiel mehr zu geben. Die Bücher tun es aber
nicht allein, das sieht man deutlich alle Tage und die Zeiten waren oft
besser, wo die Frau Holle das schönste Beispiel für Alt und Jung
gewesen. Wenn die fleißigen Mama’s ihre Töchterchen recht loben wollten,
dann wussten sie nichts Besseres zu sagen, als wie: “ Du machst es fast
so schön, als die liebe Frau Holle.“

Die gute Frau saß oft halbe Nächte lang bei den fleißigen Leuten, war
sie aber müde und sehnte sie sich nach Hause in ihr weiches, warmes
Bettchen, dann stand sie auf, öffnete das Fenster und warf das Klingel
Garn, das sie gesponnen hatte, hinaus, indem sie das eine Ende
festhielt. Dann rief sie freundlich: „Gute Nacht, ihr lieben Leute!“
setzte sich auf den Faden und ritt auf demselben so schnell wie der Wind
hinauf nach dem Odenwald und grade in ihren goldenen Saal hinein. Da
merkten es erst die Leute, wen sie zum Besuch gehabt und waren nun noch
einmal so fleißig.

So lebte die gute Frau Holle viele, viele, viele Jahre lang, da fühlte sie

auf einmal, dass sie ein wenig alt und schwach werde und nicht mehr so
recht fort könne. Im Frühling und im warmen Sonnenschein über Land zu
fahren, das ging noch an, aber die Wintergeschäfte wollten ihr gar nicht
mehr behagen. Es war auch ein schlechter Spaß, bei Schnee und Eis, bei
Wind und Wetter auf einem Zwirnsfaden durch die Nacht zu reiten.

Nun hatte die Frau Holle einen lieben, alten Freund, das war der Storch.
Der war weit gereist, hatte alle möglichen fernen Länder und Menschen
gesehen und wusste immer guten Rat. Der kam einmal im Sommer zu ihr auf
Besuch, denn im Winter ist es ihm im Odenwald viel zu kalt, dem klagte
sie ihre Not und sagte: „Lieber Storch, ich bin alt und gar allein, da
möchte ich gern ein Töchterchen haben, mit dem ich spielen und das ich
hinunter zu den Menschen schicken könnte, um die Fleißigen und Braven zu
belohnen und die Faulen und Bösen zu bestrafen. Du bist so weise und
gelehrt und bringst allen Menschenfrauen die kleinen Kinder, da muss es
dich doch auch freuen, wenn die Kinder brav und gut werden und etwas
lernen.“

„Ganz gewiss Frau Holle, das versteht sich von selbst“, klapperte der Storch.

„Wenn ich nun ein kleines Mädchen hätte, würde ich es so lieb und fromm
machen, dass alle Kinder ihm gleichen und von ihm geliebt sein möchten.
Lieber Storch, bringe mir von Deiner nächsten Reise ein kleines
Töchterlein mit!“

„Mein liebe Frau Holle“, sagte der Storch, „das tue ich ja herzlich
gern; das schönste, beste und frömmste Kind, das ich auf Erden finden
kann, will ich Euch hierher bringen. Habt nur ein wenig Geduld.“

Frau Holle nickte und der Storch flog fort.

Der Sommer verging und der Herbst und der Winter kamen mit Macht. Frau
Holle schaute jeden Tag sehnsüchtig hinaus, ob der Storch nicht käme,
aber vergebens. sie ward ganz traurig und wollte gar nicht mehr
ausreiten, wie sehr auch die Menschen unten auf der Erde sich nach ihr
sehnten. Die Englein taten, was sie konnten, um sie aufzuheitern. Sie
schüttelten und rüttelten Frau Holles Bettchen und jagten die Federn so
hoch in der Luft herum, dass die Flocken ringsum fußhoch lagen und
Menschen und Tiere darin stecken blieben. Darüber wollte sich dann das
kleine Volk halb tot lachen, aber Frau Holle lachte nicht, sondern
befahl ihnen nur, den Unsinn unterwegs zu lassen. – Die Tage wurden
kürzer und kürzer, die Nächte länger und länger und endlich kamen die
paar allerkürzesten Tage, an denen die Sonne kaum Zeit hat
hervorzugucken und gleich wieder fort muss. Eben war sie wieder im
Sinken begriffen, da zeigte sich ein schwarzer Punkt über dem Odenwald,
der kam näher und näher und wäre es nicht schon so dämmrig gewesen,
hätte man leicht den Gevatter Storch erkennen mögen. Das war ja in
dieser Jahreszeit eine Seltene Erscheinung; er war es aber wirklich und
er flog geradezu herauf auf den Böllstein und an Frau Hollens Fenster.
Er schlug mit seinem langen Schnabel daran und rief: „Geschwind, liebe
Frau Holle, geschwind macht auf, mich friert ganz erbärmlich!“ Schnell
rissen die Engelein das Fenster auf und ließen den Gevatter Storch
herein.

„Da bin ich“, sagte er, „ich komme weit, weit her aus einem heißen
Lande, wo die Sonne fast nicht untergeht und habe Euch von dort das
schönste, beste und frömmste Kind mitgebracht, das auf der ganzen Erde
zu finden war.“ mit diesen Worten legte er ein kleines, schneeweißes
Kindlein, das er vorsichtig im Schnabel trug, auf Frau Hollens Bett. Als
sie das hörte und sah, stieß sie einen Freudenschrei aus, und die
Engelein jauchzten laut auf. Das war ein Vergnügen! Das Kindchen machte
seine Augen weit auf, die waren so durchsichtig blau, wie der schönste
Sommerhimmel, dabei hatte es eine Menge kleiner, goldner Löckchen auf
dem Kopf und – das war das Schönste – zwei kleine, schneeweiße Flügel an
den Schultern. Der Storch, der als ein weiser Mann nicht gern viel
Worte machte, deutete auf die Flügel und sagte kurz: „Damit es nicht
auch auf dem Zwirnsfaden reiten muss“, worauf Frau Holle glückselig
nickte und das liebe Kind immer wieder von Neuem herzte und küsste. Die
Engelchen freuten sich fast nicht weniger als Frau Holle und schrieen
und lärmten nach Herzenslust. Der Storch aber machte ein ernsthaftes
Gesicht und sagte: „Schweiget jetzt Alle einmal und hört, was ich Euch
zu sagen habe. Ich dachte immer an das, was ich Frau Holle versprochen
hatte und bin durch die ganze Welt geflogen, ohne das ich bei den
Menschen ein Kindlein finden konnte, das lieb und fromm genug war, um
ihr Töchterlein zu sein. So ward es Herbst und Winter und meine alten
Augen waren zuletzt ganz müde vom Suchen. Da kam ich heute in ein
fernes, fernes Land, wo das ganze Jahr über die Sonne scheint und
Frucht, wie Blüte nie vergehen. Dort war es schon Nacht, als hier noch
Tag gewesen, aber das Dunkel erhellte ein großer, heller Stern mit so
wunderbarem Glanze, wie ich noch nie gesehen. Der Stern schoss
pfeilgeschwind durch die Luft und ich flog ihm nach, bis er über einer
kleinen, niederen Hütte stehen blieb. Ich sah hinein, da lag in einer
Krippe ein wunderschönes, herrliches Kind, von dem ein noch hellerer
Glanz als von dem Sterne ausging. Rings um die Krippe schwebten Englein
auf goldenen Wolken, die sangen so schön und lieblich, wie ich noch nie
etwas gehört. Das Kind aber lächelte mich so freundlich an, dass ich
dachte, dies ist das Kind, das ich Frau Holle bringen möchte, denn ganz
gewiss ist es das liebste und beste auf Erden.“

Da rief eine Stimme neben mir, von der ich nicht weiß, woher sie
gekommen: „Willst Du es mit Dir nehmen, dass es den kleinen
Menschenkindern in Deinem Lande stets ein Kind bleibe? Das Kind von dem
sie lernen, was Güte, Liebe und Gehorsam ist, selbst dann noch, wenn es
schon lange das Licht geworden, das die ganze Welt erhellen und mit
neuem Glanze verklären wird.“ Im nächsten Augenblick fühlte ich mich mit
dem Kinde emporgehoben und wie im Sturm durch die Luft getragen, ohne
das ich meine Flügel zu bewegen brauchte, und da bin ich nun Frau Holle
und Ihr besitzet das Kind, das Ihr Euch so heiß gewünscht, das gute
fromme Kind, dem die Menschenkinder in allem Guten nacheifern sollen,
das freundliche Kind, das ihnen Freude spendet, wenn sie brav sind, aber
auch das zürnende, das die Unartigen bestraft.“

Während der Storch geredet, weinte Frau Holle heiße Tränen stille in
ihren Schoß und selbst den mutwilligen Engelein wurden die Äuglein vor
Rührung trübe. Dann kniete sie neben dem Bette nieder, auf welchem das
Kindlein lag und sprach: „Ja, ich kenne Dich, Du bist das Licht der
Welt, das über uns gekommen und vor dem meine Macht zu Ende geht. Die
deutschen Kinder aber sind doppelt glücklich zu preisen vor allen
Andern. In unsere deutschen Wälder und Täler bist Du niedergestiegen als
Kind und in ihnen bleibst Du jetzt als Kind, bis in alle Ewigkeit und
wirst allen Kindern das schönste und herrlichste Vorbild sein!“ Nun aber
hielten sich die Englein nicht länger, auch ihnen war ja die
himmlischste Nacht angebrochen, die sie je gesehen und sie wollten diese
in Jubel und heller Freude begehen.

Sie zündeten ihre Kerzchen an, mit denen sie in den lauen Sommernächten
zwischen den Büschen und Gesträuchen herumtanzen und flogen damit auf
die Fichten und Tannen, die den Böllstein umgeben. Es war wunderschön
anzusehen, wie viele Lichter zwischen dem dunklen Grün der Tannen
glänzten und schimmerten. Frau Holle war ganz entzückt davon; sie nahm
das Kindlein auf den Arm und trug es hinaus, ihm die Pracht zu zeigen.
Da machte es die schönen Augen weit auf und lächelte holdselig; die
Engelein aber sangen:

„Sei gesegnet, Christkindlein,

Denn so sollst du heißen,

Weil noch nie so hold und rein

War ein Kind zu preisen!

Wer dich sieht, wird fromm und gut,

Muss vor dir sich neigen,

Oh, so nimm in deine Hut

Kindlein dir die gleichen!“

„Ja“, sagte Frau Holle, indem sie das Kindlein hoch emporhob zu den
vielen Lichtern und den ewigen, glänzenden Sternen, „so soll es werden,
und so glücklich wie ich jetzt bin, sollen fortan in dieser Nacht alle
guten, braven Menschen und Kinder sein – es ist eine Weihnacht für mich
und für die ganze Welt. Übers Jahr, wenn du größer bist, gehst du
hinunter, wo die Menschen wohnen, bringst ihnen schöne Gaben und zündest
ihnen schimmernde Kerzen an grünen Bäumen an, damit ihnen die lange
Winternacht so hell und freudig werde, wie sie eben uns geworden ist.“

Da klatschten die Englein in die Hände und riefen: „So soll es sein!
Jedes Jahr wird nun den guten braven Kindern das Christkind neu geboren
werden!“ Darauf gingen sie wieder alle in den schönen goldenen Saal, der
Storch flog fort – und nun wisst ihr die Geschichte von der Frau Holle
und dem Christkind, dessen Geburtstag wir sehr bald wieder feiern
werden!

(Autor: Luise Büchner)

Mfg

Matthias ☺️🎄☃️

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