Die Montagslyriker – das Highlight – Olga Polikevic

Einen wunderschönen Samstagabend 😃🍀

Nach unserem gestrigen Beitrag, möchten die liebe Kollegin Mia von Miasraum und ich euch heute unser erstes Highlight prĂ€sentieren. 😃

Die meisten Leserinnen und Leser, kennen sie bereits sehr gut. Denn seit der 5. Runde der Montagslyriker, ist jener Stern am Lyrikhimmel, ein fixer und immer wieder sehr gern gesehener und gelesener Gast bei uns.

Mit ihren Worten strahlt sie desshalb seit jeher aus unseren Runden, sowie aus dem Magazin.

Und darum dĂŒrfen wir heute von ihr eine Geschichte als Highlight prĂ€sentieren. 😃😊

Darum einen großen Applaus fĂŒr: đŸ‘đŸ»đŸ‘đŸ»đŸ‘đŸ»đŸ˜ƒ

Olga Polikevic

Von © Olga Polikevic

Frankfurter Buchmesse im Jahr 2073

Wir schrieben das Jahr 2073 nach Christus und ich beschloss in dem Jahr die Frankfurter Buchmesse endlich mal seit Langem wieder zu besuchen. Meine Frau Martha blieb zuhause und ich, Ferdinand Friedrich, machte mich auf den Weg in die große deutsche Stadt Frankfurt am Main.

Meine Frau Martha und ich sind beide dieses Jahr 60 geworden und dank des einheitlich eingefĂŒhrten Rentenalters von 60 Jahren fĂŒr MĂ€nner und Frauen, sind wir jetzt beide offiziell Rentner und haben endlich Zeit das zu machen, was wir schon immer machen wollten.

Als wir noch jung waren, hat Martha BĂŒcher geliebt und verschlang sie sozusagen. Ich habe sie auch lesend kennengelernt: sie war so in ein Buch vertieft, dass sie nichts um sich herum sah und hörte. Genau das hat mich an ihr fasziniert und zu ihr hingezogen. Und bis heute hat sich daran nichts geĂ€ndert, nicht an meinen GefĂŒhlen zu ihr und nicht an ihrer Liebe zu den BĂŒchern. Aber genau da liegt der wunde Punkt bei meiner Martha. Sie liebt BĂŒcher, in der klassischen Aufmachung, aus Papier. Als die Digitalisierung sich in den Bereich Literatur/BĂŒcher mehr und mehr in den Vordergrund drĂ€ngte und die klassischen BĂŒcher immer weniger nachgefragt und produziert wurden, ab da hat meine Martha die Welt nicht mehr verstanden. Auch heute noch bleibt sie bei ihrer Meinung und der UnverstĂ€ndlichkeit der ganzen Menschheit gegenĂŒber, wenn es um dieses Thema geht. Aus diesem Grund wollte sie nicht zu der Frankfurter Buchmesse.

Ich beschloss, wenn ich schon nach Frankfurt ohne meine Frau verreiße, alles, was mich interessiert gleich mitanzusehen und zu besuchen. Von zuhause aus, buchte ich ein Zimmer fĂŒr ein paar Tage in einem zentralliegenden Hotel. Zum Abschied versprach ich der Martha eine Postkarte zu schicken. Statt einer Antwort lĂ€chelte sie, wie nur sie lĂ€cheln kann und gab mir einen Kuss.

So setzte ich mich in den Zug Fulda/Frankfurt, den ich wohne in der wunderschönen Stadt Fulda, und genoss die Landschaft, an der ich vorbeifuhr bis direkt nach Frankfurt.

Kaum im Hotel angekommen, entschloss ich mich gleich zu der Buchmesse zu gehen und fĂŒr Martha eine wunderschöne Karte auszusuchen. Ich hatte keine Eile und genoss die AtmosphĂ€re und die Umgebung der Großstadt.

Die Frankfurter Buchmesse war nicht mehr das, was sie vor Jahren war, als ich sie das letzte Mal besucht hatte. Überall wimmelte es von Roboter, mit ihrer gefĂŒhllosen, immer gleichbleibenden- und wirkenden, gleichgĂŒltigen Stimme als Werber und Anbieter ihrer digitalen Ware. Menschen nur als GĂ€ste und Besucher. Werbeslogan und Plakate, groß, farbenfroh und gleichzeitig durchsichtig tauchten aus dem Nichts in der Luft auf und verschwanden genau so plötzlich, wie sie auftauchten. StĂ€ndig flog irgendwas und schnitt die Luft durch, so dass mir mit der Zeit ganz schwindelig wurde. Meine Augen brannten, gegen die SchlĂ€fen pochte es. Ich ging von Stand zu Stand und sah lauter digitaler Sachen in verschiedenster Art und Weise prĂ€sentiert, aber keine BĂŒcher


„Und das soll eine BUCHMESSE sein?!“

Mit diesen bitteren Gedanken ging ich wahllos durch die Messe und je mehr ich sah, desto bitterer wurden meine Gedanken. ZusÀtzlich kam die EnttÀuschung, dass ich keine einzige richtige Postkarte gefunden habe. Es war alles, aber wirklich alles digitalisiert.

„Keine einzige Postkarte!“, mein Entsetzen wuchs mit jeder Minute und schon bald wurde mir richtig schlecht. Ich bekam kaum noch Luft.

Ich rettete mich so schnell ich konnte raus an die frische Luft und erst als ich mich auf eine Bank setzte, beruhigte sich mein Puls wieder.

„So schlimm hab® ich®s mir nicht vorgestellt“, murmelte ich ein paar Mal vor mich hin.

Anschließend machte ich einen Spaziergang, nachdem ich, wie in der Zeit verloren, eine Weile noch da saß. In verschiedenen LĂ€den und Kiosken, an denen ich vorbeiging hielt ich Ausschau nach einer Postkarte. Vergebens
 Keine einzige bekam ich zu Gesicht.

„Das kann doch nicht wahr sein!“

Ich verbarg mein Entsetzen nicht und einer der VerkĂ€ufer schĂŒttelte den Kopf und lĂ€chelte mich mitfĂŒhlend an. Ich kam mir sehr alt, erbĂ€rmlich und erniedrigend vor.

Mit einem roten Kopf ging ich aus dem Laden und empört und wutgeladen in den Hotel rein. Ich musste nicht mal packen, mein Koffer stand noch nicht ausgepackt, nicht mal aufgemacht habŽ ich ihn. Ich checkte an der Rezeption aus und nahm den nÀchsten Zug Richtung Fulda.

Als Martha mich sah, schenkte sie mir wieder nur dieses LĂ€cheln und hieß mich mit einem Kuss zuhause willkommen.

MfG

Matthias 😊

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