Die Montagslyriker – Achim Spengler

Einen wunderschönen guten Abend 😃🌈

Die liebe Kollegin Mia von Miasraum und ich, dĂŒrfen euch heute wieder herzlich begrĂŒĂŸen und einladen zu unserem neuen Teilnehmer der Montagslyriker.

Seine Quelle der Inspiration ist der Verlust der Schönheit, der Dinge, der Menschen und der KreativitÀt, wÀhrend seine DÀmonen die Liebe und das Nikotin sind.

Er bezeichnet sich selbst als ungeduldig und streitsĂŒchtig, wĂ€hrend er dennoch ein loyaler und melancholischer Mensch ist. Er bildet sich keinerlei Meinung oder Urteil, ohne alle Fakten zu kennen.

Zu seinen Vorbildern zÀhlen unter anderem Dylan Thomas, William Faulkner, William Shakespeare, uvm.

Doxh wie immer wollen wir nicht zu viel vorweg nehmen und lassen ihn darum am Allerbesten selbst zu Wort kommen, auf unserer Montagslyriker-BĂŒhne.

Darum einen herzlichen und großen Applaus fĂŒr: đŸ‘đŸ»đŸ‘đŸ»đŸ˜ƒ
Achim Sprengler

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der DĂ€mon, der dich zum Schreiben verfĂŒhrte?
(Der Mensch, die Muse, das UnglĂŒck)
Schmerz: der unwiderbringliche Verlust der Schönheit. Der Schönheit in den Dingen, Der Schönheit in den Menschen, der Schönheit der KreativitÀt.
Der Schönheit, die in den kreativen Entfaltungsmöglichkeiten liegt, und die Kindern, und vor allem MÀdchen und Frauen nicht gewÀhrt wird.
DĂ€mon: Die Liebe, und das Nikotin, so merkwĂŒrdig das eine von dem anderen geschieden sein mag.
2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du 

(ErzÀhl uns von deinen Macken, schlechten und guten Eigenschaften, von deinen dunklen Geheimnissen)
Macken: ÜberpĂŒnktlichkeit, das Überschreiten von TĂŒrschwellen im Sinne, sie nicht mit den FĂŒĂŸen berĂŒhren können. Die SĂ€uberung von TischoberflĂ€chen von KrĂŒmeln, fast manisch.
Gute Eigenschaften: LoyalitÀt; unbedingte Freundschaft; Zuhören; kein Urteil bilden wollen (nach Möglichkeit), ohne AbwÀgung aller (auch diametraler) Argumentationen; meine Melancholie;
Schlechte Eigenschaften: Ungeduld; eine gewisse StreitsĂŒchtigkeit; aufbrausender Charakter;
3. Welche Götter verehrst du?
(KĂŒnstler, die dich prĂ€gten, die du gerne liest oder empfehlen möchtest.)
Ich verehre: Dylan Thomas, William Faulkner, William Shakespeare; Sophie Hunger; Virginie Despentes; T.S. Eliot; William Butler Yeats; Siri Hustvedt; Donna Tartt.
4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?
(Lesungen, Poetry-Slam, Veröffentlichen in Zeitschriften, BĂŒchern, Internet usw.)
Außer den Veröffentlichungen auf meinem Blog https://achim-spengler.com tue ich (noch) nichts.
5. Und nun, zeige dich!
(Mit bis zu zehn charakteristischen Werken, die du uns vorstellen magst. Mit einem Bild von dir? )

Gedichte, gedichtÀhnliches:
Wir sagten
Du sagst, Verstecken ist ein Kinderspiel. Meintest die geborstenen Fliessen und die ausgeweideten Heizkörper, die knarzende Galerie unter den StaubfĂ€ngern, du sagst, das sei unser Schaumhaus und wir mĂŒssen zusammenrĂŒcken, weil es uns sonst nicht hĂ€lt. Ich sage, ein Möwenschrei könnte das eingerußte Relief der Kindheit endlich in Stein schlagen. Ich meinte, dass Suche immer in Begriffen endet, die einmal ausbleiben werden wie das Meer, ebenso wie die Möwen, die wir am windigen Kamin phantasierten. Lege ein Scheit auf, Blut darf nicht frieren. Die Begriffe brechen hoch im Ton, irgendwann. RĂŒck nĂ€her, ich will dich nicht sehen. Draußen, das Mondlicht ist Zeuge anderer Worte, wie etwa Demut unter kalter Haut, oder Hochmut, bevor wir fallen. Wir hĂŒllen die Worte in Spucke wie prĂ€parierte Insekten auf der Nadelspitze. Wir huschen um Ecken, rufen gurrend Verrat, denn ich sei da, wo du nicht finden kannst, sagst Du. Ich sage, nimm die Augenbinde nicht ab, es könnte doch sein, dass sich die Zukunft davonschleicht und aufspringt wie das rohe Ei am Einstieg zur Treppe. Wir halten es prĂŒfend in der Hand, ob es auch tauglich ist fĂŒr das Überwintern des Hungers. Du sagst, mehr besitzen wir nicht, drinnen, im Zettelkasten der NĂ€he. Ich sage, wir sind Trabanten, die sich berĂŒhren, wenn sie flĂŒchtig sind.

Sylvia Plath trifft Emily Brontë auf einer Heide in West-Yorkshire
Das schwarze Land aus dunklem Holz.
Rufe den Arzt, wenn es Zeit ist.
Ofengas ist der sanfteste Tod.
Ruhmloses Vergehen kĂŒmmert keine Geschichte.
Dein Bett in der Einöde ist sterblich wie jedes.
Das Bett an meinem Ende ist der Bruch des GefĂŒhls.
Mein spröder Mann. Gott einer MÀrchenwelt.
Der mich ans Licht brachte.
Dann war es zu spĂ€t fĂŒr das Spiel der Vergeltung.
Der Teufel, den ich wiederkÀute und biss,
im Licht von Schwesternhauben.
Ich bin unfĂ€hig zu AtemzĂŒgen auf dem Aufstieg zu deinem Ruhm.
Die BĂ€ume, die man gegen die Einsamkeit gepflanzt hat,
damit ein Kind unter ihnen spielt.
Dort starre ich dich an, Gespenst der VergÀnglichkeit,
das deinen Ruhm vereitelt, wie deine Mutter davor.
Er gab mir den Namen Panikvogel.
Schwarz ist die Eifersucht, die du nicht kanntest,
oder doch, falls deine Schwestern KrÀhen waren.
Dein Teufel in der Abgeschiedenheit, am Saum
dieser Heide, blutrot gegen den Himmel.
In dein Antlitz fÀllt er zur unertrÀglichen Stille des Ofens.
Ich könnte an deinen Tischen nicht sitzen
oder dem Schreibbesteck lauschen,
dem Sermon des Pfarrers, dem Lallen deines Bruders,
der Erhabenheit deiner Schwestern.
Keine Erde, wo ich bin.
Blitze zum Himmel, die losen Enden eines Feuerwerks.
Fackeln in Höhlen, bevor die Flut eintrifft.
Du lachst der Liebe Hohn, ich geh an ihr zugrunde.
Du bist glĂŒcklich, wenn möglichst hinweg.
Ich leide ohne den Fuchsgeruch meines BrÀutigams.
Ruhm war ein Traum, der morgens ging.
Den hast du im Mundfang des Himmels nicht erlebt.
Ich spĂŒre ihn, wann er kommt oder bleibt,
ob er mich bricht, das weiß ich nicht.
Der Regen ermĂŒdet. Robuster Schuh in den StĂŒrmen.
Du lebst und stirbst mit freier Seele und Kraft fĂŒr Pein und Leid.
Ich sterbe dramatisch und lasse kein gutes Haar an der Welt.
Ich bin das Dramolett der OstkĂŒste, ein Firlefanz, lautes Dekor.
Brandmale links und rechts der SchlÀfen, ein Streifschuss unter dem Auge.
Die Überspanntheit, der Stupor, die Takelage von Erschlaffung und Manie.
Erlösung suchte ich nicht, sagte mein BrÀutigam.
Den Schmerz schon, die Heftigkeit der Panik und die VitalitÀt der Angst.
Der Wind kam, mich anzusehen. Ich versteckte mich hinter
dem Weidenbaum, den Neid abwehrend.
Ich bin auf Ruhm aus. Du warst in der Nacht
am Grab deines Bruders.
Du hast dein Leben bestraft mit dem Tod.
Dir fieberte erst, dann schlug es mir die Röte aus dem Gesicht.
Du warst winzig im Vergehen.
Ich schaute nach keinem meiner Kinder, als ich ging.


Alice hinter den Spiegeln
Dies ist mein Heim.
UnĂŒblich die Fenster, die nach außen gehen.
BĂŒcher, Krimskram, Topfkakteen.
Das Fett am Bauch,
woanders wird es nicht gebraucht.
Die Ordnung der Dinge.
Ich kann nicht schlafen, nicht trauern.
Schiefe dingliche Metaphern, derart,
dass Regen die Nacht anfÀllt,
die Nacht an den Knochen nagt, von was?
Das Theater der Dinge: trÀumen, nicht schlafen, trauern
Nehmen wir den Puls eines Moments:
entferntes Summen, oder
die Umkehr der Wahrscheinlichkeiten,
ĂŒberschießende Dinge, ein Ballon ist kein Ball, als ob,
so sind die Dinge, ihre wohldosierte Wachheit, ihre SchlÀfrigkeit.
Die Lust in den GrÀsern, Gedanke oder Vollzug?
Ein Himmel, der auf unsere Blicke starrt (ich nehme den
Becher und schenke ein, in etwa so). TrÀumend
von BahnĂŒbergĂ€ngen und SchrĂŒnde am Leib.
Ich kann nicht trauern, nicht schlafen.
Mein Traum ist diese Ungeordnetheit der Dinge,
in meinem Schlaf sind sie tot, meiner Trauer sind sie zuwider.
Bis sie geordnet sind, habe ich den Schlaf schon hinter mir
die Trauer, den Traum,
und schiebe Alice’s Spiegel zur Seite?

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. castorpblog sagt:

    Sehr schön Achim hier zu treffen und endlich mal wieder etwas von ihm zu lesen.

    GefÀllt 1 Person

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