Die Montagslyriker – Diana Scherer – Sternenlyrik

Einen wunderschönen Montagabend wünschen Euch wie immer die liebe Kollegin Mia von Miasraum und ich 😃😊Auch heute gibt es wieder eine große portion Frauenpower in unserer Runde der Montagslyriker. 💪🏻😃 Jaa, die Zeit verstreicht und wir sind schon fast am Ende dieser 8. Runde. 😱👍🏻Aber noch… ist es nicht soweit und heute stellen wir euch unsere nächste Teilnehmerin vor.Zwar schreibt sie schon seit ihrer Kindheit, doch nahm das Leben einige Zeit in Anspruch, so dass es eben zu kurz kam. Doch vor 5 Jahren wurde ihre Liebe zum Schreiben neu entfacht und es entstehen seitdem wieder unterschiedliche Texte durch eine Vielzahl von Inspirationsquellen.Ist sie gerade nicht am Schreiben, so befindet sich statt einem Stift, die Kamera in der Hand um die Schönheit der Natur abzulichten. Doch wird es einmal zuviel, so gibt es auch Momente des Rückzugs. Ihre Sensibilität und Emotionalität lässt sie zwar in ihrem Inneren verborgen, doch sind sie stetig in ihren Texten wiedergegeben.Darum bitten wir sie jetzt einfach selbst zu Wort und auf die Montagslyriker – Bühne und wünschen ihr an ihrem Montag ganz viel Freude und Spaß 😃Darum einen großen Applaus für:Diana Scherer – Sternenlyrik 👏🏻👏🏻😊1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?
(Der Mensch, die Muse, das Unglück)
Mit dem Schreiben begann ich bereits in meiner Jugend, setzte allerdings viele Jahre damit aus, weil das Leben mich intensiv beschäftigte (Abitur, Ausbildung, Job, Heirat, Familie). Erst vor rund 5 Jahren brachte mich eine Bekannte zurück zum Schreiben. Seitdem verfasse ich regelmäßig eigene Texte unterschiedlicher Art. Dabei werde ich inspiriert von aktuellen Tagesgeschehen, Büchern, Familie, Freunden, Bekannten, Musik und Themen bzw. Emotionen, die mich im Stillen beschäftigen
2. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …
(Erzähl uns von deinen Macken, schlechten und guten Eigenschaften, von deinen dunklen Geheimnissen)
…, dass ich auch mal meine Ruhe brauche. Ich bin ein sensibler Mensch, der sich zurückzieht, wenn alles zuviel zu werden droht. Da ich die Schönheit der Natur sehr schätze, streife ich häufig, mit meiner Kamera bewaffnet, durch die Gegend. Für die sogenannten kleinen Dinge des Lebens kann ich mich wahnsinnig begeistern. Von Grund auf bin ich sehr emotional, was ich im Allgemeinen nicht nach außen kehre, aber was sich häufig in meinen Texten widerspiegelt.
3. Welche Götter verehrst du?
(Künstler, die dich prägten, die du gerne liest oder empfehlen möchtest.)
Es gibt keine Künstler, die mich sonderlich prägten bzw. prägen. Ich lese gern Wilhelm Busch und Erich Kästner, die sowohl humorvolle als auch kritische Texte schrieben. Ich bewundere Autorenkolleg(inn)en, die spielerisch mit Sprache umzugehen wissen, aber ich pflege meinen eigenen Stil.
4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?
(Lesungen, Poetry-Slam, Veröffentlichen in Zeitschriften, Büchern, Internet usw.)
Ich nehme an (Gemeinschafts)Lesungen teil, veröffentliche Werke sowohl in verschiedenen Anthologien als auch in Eigenregie, poste eigene Texte auf Instagram und auf meiner Website https://dianasternenlyrik.jimdofree.com. Neben Gedichten, Aphorismen, Geschichten präsentiere ich dort eine breitgefächerte Auswahl meiner Fotografien. Außerdem bin ich in der Autorengruppe „Skriptorium Seligenstadt“ aktiv.
5. Und nun, zeige dich!
(Mit bis zu zehn charakteristischen Werken, die du uns vorstellen magst. Mit einem Bild von dir? )Spätlese
Er saß allein an einem kleinen Tisch des Straßencafés und blickte versonnen über den Marktplatz des malerischen Städtchens.
Fast hatte er vergessen, wie schön es hier war. Er liebte den unschuldigen Charme der kleinen Ortschaft, der wohl gerade darin begründet lag, dass sie bis dato noch weitestgehend der Touristenschwemme entgangen war.
In der Mitte des Marktplatzes plätscherte vergnügt ein Springbrunnen vor sich hin. Am anderen Ende erstreckte sich das beschauliche Rathaus, das mit seinen zwei Türmchen und den in Rundbögen eingefassten Fenstern, vor denen blutrote Geranien dem Auge des Betrachters zuwinkten, an eine Kirche erinnerte. Restaurierte Fachwerkhäuschen umzäunten den Marktplatz und vervollständigten das romantische Bild.
Die Bedienung erschien und fragte nach seinen Wünschen. Er bestellte das Schollenfilet mit Petersilienkartoffeln und dazu einen Weißwein. Heute wollte er sich zur Abwechslung etwas gönnen.
Sein ganzes Leben hatte er seiner Frau und den drei Kindern gewidmet. Er hatte hart gearbeitet, um ihnen ein angenehmes Leben bieten zu können und dabei seine Bedürfnisse oft hintangestellt. Die Kinder waren erwachsen geworden, fortgezogen und lebten seitdem ihr eigenes Leben. Sie waren damit so sehr beschäftigt, dass sie nur selten Zeit gefunden hatten, sich bei ihren Eltern zu melden oder sie zu besuchen. Vor ein paar Jahren, er war gerade ein paar Monate vorher in Rente gegangen, war seine Frau schwer krank geworden und musste gepflegt werden. Er hatte diese Aufgabe gern übernommen, doch hatte sie mit der Zeit an seinen Kräften gezehrt. All die Pläne, die er sein ganzes Leben auf seinen Ruhestand geschoben hatte, waren wie Seifenblasen zerplatzt. Vor ein paar Monaten war seine Frau gestorben. Für sie war es eine Erlösung gewesenund für ihn auch, wenn er sich das auch nie eingestehen würde.
In den ersten Wochen hatte er mit sich und seinem Leben nicht viel anfangen können. Er hatte in seinem Kokon verharrt, völlig abgeschieden von der Außenwelt. Vor zwei Wochen hatte er überraschend die Einladung einer alten Schulfreundin zu einem Klassentreffen erhalten. Erst hatte er ablehnend darauf reagiert. Was sollte er da? Das waren alles Leute aus seiner Vergangenheit, die er seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr gesehen hatte. Er bezweifelte, dass er ihnen noch irgendetwas zu sagen hatte. Doch dank der Überredungskünste seiner Kinder hatte er seine Meinung geändert.
Nun saß er hier, natürlich wie immer viel zu früh und wartete darauf, dass die Zeit weiter Richtung Abend schlich.
Der Gedanke, was ihn in ein paar Stunden erwarten würde, machte ihn nervös. Was, wenn das Klassentreffen die absolute Enttäuschung werden würde? Er war nicht der kommunikativste Mensch auf Erden und hatte sein Leben lang nur wenig Freunde gehabt. Selbst im Kreis seiner Familie war er der Wortkarge gewesen. Seine Frau hatte das kompensiert. Sie hatte immer etwas zu erzählen gehabt. Manchmal hatte ihn das genervt, aber insgeheim hatte er sie auch dafür bewundert, sich ihren Mitmenschen gegenüber derart öffnen zu können und Interesse für sie zu zeigen. Jeder hatte sie gemocht, ihn allerdings, nach anfänglichen und vergeblichen Bemühungen, durch Gespräche mehr über seine Person zu erfahren, meistens ignoriert.
Er schüttelte seine Grübeleien ab, die ihn immer wieder nur in die Vergangenheit führten. So kam er nicht weiter. Er lenkte die Gedanken wieder zum Klassentreffen und beschloss, dem heutigen Abend eine Chance zu geben. Die hatte er verdient.
Sein Leben war noch lange nicht vorbei. Er hatte nun die Möglichkeit, endlich wieder daran teilzunehmen. Warum nicht ausgerechnet hier, in seiner alten Heimat?
Die Bedienung servierte den Wein. Es war eine Spätlese.

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