Die Montagslyriker – Ben Kretlow

Einen wunderschönen Montagabend an alle 😁☕

Nun ist der Countdown zu ende und die 10. Runde der Montagslyriker beginnt also nun und die Kollegin Mia von Miasraum @miasraum und ich dĂŒrfen Euch herzlich willkommen heißen beim offiziellen Start der 10. Runde der Montagslyriker. 😁😊

Nehmt Platz und genießt die Eröffnungsfeier und und unseren ersten Teilnehmer und somit unseren Eröffnungsgast. 😁

Ben Kretlow!

Sein erstes Gedicht “FrĂŒhling“ entstand 1995 in der dritten Klasse im Deutschunterricht. Genau hier entdeckte er die Leidenschaft zum Schreiben die bis heute anhĂ€lt. Er macht keine Kompromisse bei seiner Kunst, entweder man mag sie oder eben nicht. Sein literarischer Gott ist Thomas Brasch. Zudem entdeckt er gerade Benedict Wells fĂŒr sich mit dem Werk „Vom Ende der Einsamkeit“, aber auch die Autorin Dakini Böhmer gehört zu seinen Favoriten.

Derzeit veröffentlicht er seine Gedichte hauptsĂ€chlich auf Instagram und arbeitet an seinem neuesten Werk „die im dunkeln sieht man nicht“.

Ben Kretlow

Kurzbio: Geboren 1985 in Rostock, lebt seit 2000 in Kiel. Schreibt gerade an seinem nĂ€chsten Buch „die im dunkeln sieht man nicht“, das im Sommer 2021 veröffentlicht werden soll. Letzte Veröffentlichungen u. a.: „Rausch und Scherben. Gedichte 2014“ (2014, als eBook), „hier, etc.“ (2015, als eBook), „#DieLetzteFarbe“ (2016, Printausgabe + eBook), „2 zeilen & ein stift… gedichte“ (2018, als eBook), „vom rand der nacht“ (2020, Printausgabe + eBook).

1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der DĂ€mon, der dich zum Schreiben verfĂŒhrte?

Ich habe mein erstes Gedicht zum Thema „FrĂŒhling“ in der dritten Klasse im Deutschunterricht geschrieben, das war 1995. Und ich weiß noch, dass meine Lehrerin davon angetan war. Ich hatte seitdem ganz viel Freude dabei und schnell ein Bewusstsein davon, dass Schreiben etwas ist, das ich einfach machen möchte und muss. FĂŒr mich ist es so wichtig wie Atmen. Nicht ĂŒbertrieben, aber als ich dann in der sechsten, siebten, achten Klasse eine tolle Deutschlehrerin hatte, die mich massiv darin unterstĂŒtzte und bestĂ€rkte, kreativ zu sein, Gedichte zu schreiben, immer das zu notieren, was in meinen Gedanken fließt, weil das alles ist, spĂŒrte ich, ich habe Talent. Es ist so immens wichtig, dass man jemanden hat, der von frĂŒh auf an dich glaubt, der deine Gabe sieht, der deine Besonderheit als etwas begreift, das bereichernd ist und nicht seltsam, und es nicht verspottet, es nicht abtut als irgendeine Nichtigkeit oder Flause – weil wenn es so lĂ€uft, dann stirbt dieses Leuchten schnell in dir. Dann vergisst man sich selber fĂŒr die Weise, wie andere einen sehen oder sehen sollen. Und das wĂ€re es nicht wert.

2. Wer dich kennenlernen will, muss wissen, dass du…

… dass ich fĂŒr meine Kunst brenne; dass es fĂŒr mich diesbezĂŒglich keine Kompromisse gibt (– akzeptiere es, oder sonst scroll doch weiter, es ist deine Entscheidung und alles nur ein Angebot); dass ich schreiben kann viele NĂ€chte lang. Dass dieser Drang in mir, zu schreiben, zu kreieren, einer ist, der nie zufrieden oder zu Ende ist. Und dass er seinen Auftritt zu finden sucht, wann immer er es will, und ich lasse ihn. KreativitĂ€t ist nĂ€mlich nicht etwas, was ich mache, sondern ein wesentlicher Teil von dem, wer ich bin. Und das liebe ich an mir sehr und bin zugleich dankbar und demĂŒtig fĂŒr diese besondere Seite von mir und freue mich ĂŒber jeden, der etwas in meinen Texten fĂŒr sich findet.

3. Welche Götter verehrst du?

Thomas Brasch ist fĂŒr mich sozusagen mein literarischer Gott. Thomas Brasch ist jemand, der mich seit Jahren begleitet, der meinen Blick auf das Schreiben, auf das Wie des ErzĂ€hlens bereichert und beeinflusst hat. FĂŒr mich war und ist er einer der bedeutendsten Autoren der deutschen Literatur und ganz klar mein Lieblingsschriftsteller. Ich entdecke gerade Benedict Wells fĂŒr mich, sein Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ ist eines, das mich tief ergreift; nicht, dass ich mich sehe wie die Hauptfigur, aber die AtmosphĂ€re der Geschichte des Hauptcharakters, die Art seiner Blickwinkel und seines Wortefindens kommen mir irgendwie vertraut vor, und ich verliere mich Stunden in diesem Buch. SĂŒnje Lewejohanns Lyrikband „die idiotische wucht deiner wimpern“ war fĂŒr mich das Buch des letzten Jahres. Das ist ein Vulkan, der grollt, der liebt und immer wieder zurĂŒckschreckt. Wer Zeilen wirklich vibrieren fĂŒhlen will, muss diesen Band unbedingt lesen. Zuletzt las ich das zweite Buch der Kölner Autorin Dakini Böhmer, „Blau – Ohne Kontur“. Diese Ă€ußerst kreativen und tiefsinnigen Klarbilder, die ihre fantasiereiche Stimme erschafft, sind derart deutlich nachzuzeichnen, sodass man sich in den Szenen vertraut wiederfindet, die sie beschreibt. Ich bewundere das. Jennifer Hilgert, Marina Berin, Haydar Karaldi und viele andere haben solch ein riesiges Worttalent, dem ich gerne folge. Und von wem ich gerne wieder etwas lesen wĂŒrde nach viel zu langer Zeit, wĂ€re von der Berliner Lyrikerin Stephanie Mattner, mit der ich im Jahr 2013 das jetzige Projekt SternenBlick e. V. initiiert hatte, das sich fĂŒr neue WortkĂŒnstler:innen und mit den Erlösen aus deren BĂŒchern fĂŒr gute Zwecke einsetzt.

4. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Ich bin derzeit hauptsĂ€chlich auf meinem Instagram-Account @benstagram1985 aktiv und prĂ€sentiere dort viele Einblicke in meine kĂŒnstlerische Arbeit, natĂŒrlich hauptsĂ€chlich in Form von Veröffentlichungen meiner Gedichte, Fotografien und Zeichnungen. Ende letzten Jahres begann ich mit meiner Lesereihe „Late Nite Lesen“, in deren Rahmen ich Texte verschiedener Autoren vortrage und interpretiere. Das macht mir sehr viel Spaß, und dieses Format stĂ¶ĂŸt auf großen Zuspruch, was mich sehr freut und wofĂŒr ich dankbar bin, weil mich die Idee einer richtigen Lesung, zum Beispiel, sehr reizt. Zudem ist im letzten Sommer mein aktueller Lyrikband „vom rand der nacht“ als Printausgabe erschienen, vier Jahr nach dem 2016er Band „#DieLetzteFarbe“, der mein erstes Printbuch war. Davor und danach veröffentlichte ich hauptsĂ€chlich im eBook-Format wie, zum Beispiel, die BĂ€nde „hier, etc.“ (2015) und „2 zeilen & ein stift. gedichte“ (2018), was meine bereits vielfĂ€ltigen Veröffentlichungsmethoden umreißt. Was mich zudem sehr anrĂŒhrt und woran ich weiter wachse, ist diese Anerkennung und WertschĂ€tzung und dieser gegenseitige Support, zum Beispiel, unter uns WortkĂŒnstler:innen auf Instagram, den ich sehr zu schĂ€tzen weiß.

5. Und nun, zeige dich!



die geschichte von dir und mir

wie kann ich es schaffen
dass wir uns verstecken vor
der wahrheit
die uns hier nicht zusammenfĂŒhrt

und uns einreden
dass der weiße mond
seinen schleier fĂŒr uns
um die dunkelheit legen wird

damit sie uns nicht blendet vor
unsern trÀumen in deinen armen
und unsern wĂŒnschen in meinen armen
und einer möglichkeit von dir und mir

sag was nur geschehen muss dass
du nicht jeden meiner schritte hinterfragst
und du anfÀngst zu glauben
meinen worten meinen gesten diesem moment

wenn da nur das rauschen
der wellen um uns ist
und es gibt hierfĂŒr keinen anfang
kein ende sondern nur das hier das jetzt

und deine dunklen augen
die nachgeben die einlenken die vertrauen
deren blicke mich beruhigen
wenn sie stille nach mir schauen

und alles dann kommt zur ruhe
alles
wenn dein kopf so sanft lehnt
an meiner schulter, hier





© Ben Kretlow. Geschrieben am 02.08.2015.
Entnommen aus dem Band „#DieLetzteFarbe“, 2016


unruhen

kÀmpf dich durch die nacht.
abtrĂŒnnige sterne, radikal, keiner wacht
nicht mal du
bist dir selbst der nÀchste


du vermummst dein gesicht,
es geht raus
ein entkommen aus dem straßenlicht
klappt nicht, da: es geht aus
da guckt ihr, wa? da stehste


an dem punkt in neukölln
der dich trennt
von der liebe
zu der du vergeblich rennst
immer und immer wieder


doch du möchtest nicht mehr rennen
du willst dein herz vom fĂŒhlen abtrennen
hier ein stein,
nirgends ein sieger





© Ben Kretlow. Geschrieben am 20.05.2015.
Entnommen aus den BĂ€nden „hier, etc.“, 2015,
sowie „#DieLetzteFarbe“, 2016


wenn nicht ich

mein wahn drÀngt dich zur seite
wer ist er wenn nicht ich
und du wĂŒrdest mich fernhalten von dir
zurecht in einer weite
nein, sei nicht so leise
zu mir
denn hier: ich leide
wÀhrend ich den blick
zwischen den zeilen gekonnt vermeide
und du nicht weißt wohin ich ziellos treibe
und warum ich verzweifle
als ich dir diesen zustand ankreide
fĂŒr den du schon bĂŒĂŸen wĂŒrdest
ja, egal auf welche weise.

2.
ja, halt jetzt still, ich bring uns ins reine
ein fĂŒr alle mal, ja, ich verneine
jedes motiv das sie mir anlasten werden
und verweise
auf deine geheimnisse und/oder seine
du dachtest wirklich ich wĂŒrde meine
sachen nehmen und einfach gehen von alleine
aber schade nun, so sind es nicht
meine trÀnen die ich zur schau stell und weine
denn meine trÀnen, ja, bleiben meine
deine, nein, sind keine
sind keine





© Ben Kretlow. Geschrieben am 12.09.2015.
Entnommen aus dem Band „#DieLetzteFarbe“, 2016

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Olga Polikevic sagt:

    Schön wieder mal Montagslyriker zu lesen.
    Ben, weiterhin viele schöne Gedichte und viel Erfolg.

    GefÀllt 1 Person

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