Die Montagslyriker – Erik Waal

Einen wunderschönen Montagabend wünschen wir, die liebe Kollegin Mia von Miasraum und ich und wir hoffen ihr seit gut inndie neue Woche gestartet. 😁☕

Heute dürfen wir euch wieder einen unserer Teilnehmer vorstellen der diesen Montagabend abrundet. 😊

Erik Waal

Er fing schon als Kind mit dem Schreiben von kleineren Geschichten an, wobei er als Teenager wieder aus den Augen verlor. Doch in seinem Kopf blieb der Traum von eigenen Buch stets vorhanden. Nach dem Songtext „Irgendwann ist Irgendwie, ein anderes Wort für nie“ verwandelte sich die Wolke im Kopf zu einem Gewitter das nicht mehr enden wollte. Er musste einfach wieder schreiben. Mittlerweile liegt sein erster Roman fertig auf dem Schreibtisch.

Seine Götter die ehr als Inspiratoren sieht sind unter anderem Tom Hardy, aber auch Daniel Kehlmann.

Seit letzem Jahr ist er auf Instagram zu finden und veröffentlicht hier Kurzgeschichten und experimentiert mit Genres. Dazu befindet er sich auf Verlagssuche mit seinem Roman.

Für nochbmehr spannende Infos über unseren heutigen Montagslyriker, schaut eben wie immer am Besten auf unsere Blogs vorbei.

Wir wünschen euch natürlich wie immer einen restlichen wunderschönen und entspannten Montagabend 😊😁☕

  1. Nenne den Schmerz beim Namen. Wer ist der Dämon, der dich zum Schreiben verführte?

Die Gewitterwolke in meinem Kopf. Ich habe schon immer davon geträumt, irgendwann mal ein Buch zu schreiben. Aber Tagträumereien lassen sich eben nicht so leicht auf Papier fesseln. Sie sind flüchtig und gleiten einem schnell durch die Finger. Als Kind fing ich mit dem Schreiben kleinerer Geschichten an. Als Teenager verlor ich das Schreiben ganz langsam wieder aus den Augen. Als junger Erwachsener hatte ich dann ganz damit aufgehört. Es gab so viel anderes zu tun. Davon abgesehen hatte ich offen gesagt auch einfach nichts zu erzählen. So empfand ich das damals jedenfalls selbst. So ist es eben im Leben. Für manche Dinge ist es eben manchmal (noch) nicht die richtige Zeit. In meinem Kopf blieb der Traum aber liegen. Irgendwann habe ich etwas zu erzählen, was ein ganzes Buch füllt. Irgendwann mache ich das. So flüsterte mir die kleine Wolke in meinem Kopf immer wieder zu. Irgendwann. Aber irgendwann hörte ich die Hamburger Band Kettcar singen „Irgendwann ist irgendwie, ein anderes Wort für nie“. Der Gedanke, mir diesen Wunsch vielleicht nie zu erfüllen, verwandelte diese Wolke in ein Gewitter. Ein tobender Sturm, der nicht mehr warten wollte. Ich musste einfach wieder schreiben. Heute verstehe ich nicht mehr, wie ich je damit aufhören konnte. Inzwischen habe ich allerdings auch das eine oder andere erlebt. Erfahrungen und Beobachtungen setzen sich gerne zusammen und plötzlich hat man etwas zu erzählen und zu teilen. Das Gewitter in meinem Kopf scheint sich dadurch zwar nicht mehr zu legen, aber je nach Bedürfnis ist mir das Schreiben heute Segel oder Anker in diesem Sturm. Mein erster Roman, ein Thriller, liegt fertig auf meinem Schreibtisch und wartet geduldig auf seine Veröffentlichung.

  1. Wer dich kennenlernen will muss wissen, dass du …

ein Lexikon des unnötigen Wissens bist. Im Ernst. Wenn ich Sachen faszinierend, lustig oder skurril finde, brennen sie sich in meinen Verstand und ich vergesse sie nie wieder. Warum auch immer. Ich habe Jura studiert. Dafür muss man sich eine gewaltige Menge theoretischen Wissens aneignen. Wäre mir das Lernen dafür so leicht gefallen, wie das flüchtige Aufschnappen bestimmter Film- oder Seriendialoge, hätte ich meinen Abschluss vermutlich in Rekordzeit hingelegt.

  1. Welche Götter verehrst du?

Vorab: Für mich gehen Filme und Bücher Hand in Hand. Filme resultieren oftmals aus Romanvorlagen. Filme als Kompositionen von Schauspiel, Szenerie und Musik haben mich schon immer in ihren Bann gezogen. Bücher hingegen nehmen sich Raum und Zeit. Sie offenbaren die Gefühlswelten von Protagonisten, wie Filme es nur selten schaffen. Was das also angeht, bewundere ich Tom Hardy als Schauspieler. Er verleiht mysteriösen und abgründigen Figuren, wie zum Beispiel James Keziah Delaney in Taboo eine erstaunliche Tiefe. Als Schriftsteller beneide ich geradezu Daniel Kehlmann. Er lässt in seinen Geschichten wie zum Beispiel Tyll auf eine erstaunliche Art und Weise die Welten miteinander verschwimmen.

  1. Was tust du, um dein Werk bekannt zu machen?

Seit letztem Jahr bin ich auf Instagram zu finden. Ich veröffentliche dort Kurzgeschichten und experimentiere ein bisschen mit verschiedenen Genres. Parallel dazu bin ich mit meinem Roman auf Verlagssuche. Vielleicht gehe ich damit aber auch ins Self-Publishing. Dazu bin ich noch unentschlossen.

  1. Und nun, zeige dich!

Respekt

Mit den Daumen drückte Tina in Florians Schultern. Behutsam löste sie die Verspannung.
„Du machst deine Arbeit echt gut. Aber Physiotherapie bringt kein Geld.“
Ihre Finger wanderten zurück zu seiner Halswirbelsäule.
„Ah, ja, genau da. Aber weißt du was ich mein‘? Ich mache bei der Bank einen Haufen Knete. Das ist es, was zählt!“
Vorsichtig übte sie Druck auf Bereiche zwischen den Wirbeln aus.
„Ich mein‘, versteh‘ mich nicht falsch. Allein der Umstand, dass du bei der Arbeit eine Jogginghose trägst, sagt doch schon viel aus. Weißt du was ich mein‘?“
Sie wechselte zur anderen Seite der Wirbel.
„Ich mein‘, ich trage auch im Home-Office eine Krawatte, wie du weißt. Es geht um Respekt vor der eigenen Tätigkeit. Das hören die Kunden auch am Telefon.“
Sie griff wieder in die dünnen Muskeln auf seinen Schultern.
„Nichts gegen dich. Aber dein Job hilft für unsere Zukunft nicht. Wenn wir heiraten und Kinder kriegen, ist es besser wenn du zu Hause bleibst. Ich finde nur, dass wir das jetzt gleich klären sollten, damit wir uns beide nichts vormachen.“
Sanft löste sie die letzten kleinen Knoten in den Muskelfasern.
„Du sagst ja auch nichts dazu. Hast ja offensichtlich keine Argumente für das Gegenteil. Ich sehe, wir sind uns einig. Das ist auch besser. Mit meinem Job und dem Modell werden uns die Leute respektieren. Wirst schon sehen.“
Vorsichtig griff sie mit der linken Hand unter sein Kinn und mit der rechten Hand unter seinen Hinterkopf.
„Jetzt bis du 28. Das ist zu alt um in etwas Neuem wirklich gut zu werden. Da wird dich niemand in den richtigen Jobs respektieren. Auch geistig wird das schwer nach all den Jahren, die du mit den Händen gearbeitet hast. Da hast da in der Vergangenheit einfach eine falsche Entscheidung getroffen.
Ganz langsam zog sie seinen Kopf zu sich.
„Oh, das fühlt sich gut an. Aber warte mal, das…mhpf…“
Mit einem festen Ruck und all ihrer Kraft riss sie sein Genick herum. Das Geräusch seiner brechenden Wirbelsäule würgte sich durch das Zimmer. Lose baumelte sein Kopf in ihren Händen.
„Stimmt, mein Schatz.“, sagte sie.
„Ich habe in der Vergangenheit eine falsche Entscheidung getroffen. Vielleicht war ich keine so gute Wahl für dich.“

Probleme

Das Benzin stinkt und steigt mir in den Kopf. Mir wird langsam schwindelig.
„Machen sie das Feuerzeug aus und werfen es zu mir!“
Wo zum Teufel ist dieser Polizist jetzt so schnell hergekommen? Ich sehe auf das brennende Sturmfeuerzeug in meiner Hand. Das hatte ich mir alles anders vorgestellt. Die ganzen letzten Monate hatte ich mir anders vorgestellt.
„Sie werfen jetzt sofort das Feuerzeug zu mir!“
Nein. Das werde ich nicht tun. Das Feuerzeug ist der letzte Garant meiner Freiheit. Der Polizist hält seine Waffe auf mich gerichtet, während ich in der Benzinlache auf dem Boden sitze. Viel tun kann er nicht, solange das Feuerzeug brennt. Sonst fliegt alles in die Luft. Ich lehne immernoch an den Geldautomaten, den ich mit einer Explosion öffnen wollte. Ich habe alles an die Wand gefahren. Mein ganzes Leben. Jede Entscheidung die ich getroffen habe, hat meine Situation noch weiter verschlimmert. Ich brauche das Geld um wenigstens irgendwie mit allem weitermachen zu können. Dann hat mich der Polizist gestellt. Ich weiß nicht, was ich tun soll, also habe ich mich selbst mit Benzin übergossen. Zugegeben, meine Freiheiten sind jetzt auf wenige Entscheidungen reduziert, die ich in den nächsten paar Minuten treffen muss. Aber es sind meine Entscheidungen. Die letzte Freiheit die ich habe.
„Hören sie! Wir finden eine Lösung. Aber sie müssen jetzt das Feuerzeug hergeben.“, versucht der Polizist zu deeskalieren.
„Wenn sie Probleme haben, dann finden wir eine Lösung. Es ist doch noch gar nichts passiert.“, sagt er.
Was hat der für eine Ahnung von meinen Problemen. Ich wäre wohl kaum hier, wenn ich eine andere Lösung gefunden hätte.
„Sie sollten jetzt gehen.“, sage ich.
Bei der Menge Benzin die ich hier verschüttet habe, ist es ein Wunder, dass das Feuerzeug das aufsteigende Gas nicht schon längst entzündet hat.
„Das hier muss nicht ihre Geschichte werden.“
Ich sehe mich nicht im Gefängnis. Stattdessen erscheint vor meinem inneren Auge der Moment, in dem sich die Luft in diesem Raum in eine Feuerhölle verwandeln wird. Die Glasfenster im Eingangsbereich dieser kleinen Bankfiliale werden sich in millionen kleine Splitter verwandeln und über den Parkplatz vor dem Gebäude regnen. Wenn der Polizist Glück hat, wird er durch die Eingangstür nach draußen gepustet. Brennende Geldscheine werden für einen Moment leuchtend durch die Nacht segeln. Und dann wird es still sein.
„Ich bleibe hier und gehe gleich gemeinsam mit ihnen nach draußen. Dann reden wir über alles.“, sagt er.
„Nein. Ich gehe jetzt.“, sage ich und lasse das brennende Feuerzeug in das Benzin fallen.
Statt zu flüchten, springt der Polizist nach vorne und wirft sich auf das Feuerzeug. Bevor die Flamme übergreifen kann, erstickt er sie mit seinem Körper.
Geschockt bleiben wir beide noch ein bisschen so liegen. Schwer atmend.
„Das war meine Entscheidung.“, sage ich.
„Meine Freiheit.“
„Wir alle haben die Freiheit, Entscheidungen zu treffen.“, keucht der Polizist.
„Es sollten aber die richtigen sein.“
Er steht auf und reicht mir die Hand.
„Wir gehen jetzt hier raus und unterhalten uns über alles.“
Das Benzin verschleiert mit immer noch den Verstand. Mir ist schwindelig. Mit wackeligen Beinen raffe ich ich mich auf.
„Danke.“, bringe ich flüsternd über die Lippen. Ich meine es ernst.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Olga Polikevic sagt:

    Tolle, spannende Geschichten mit einem unerwarteten Ende.
    Viel Erfolg mit dem Roman und auch weiterhin viele interessante Geschichten und/oder Bücher.

    Gefällt 1 Person

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