Die Montagslyriker – Judith Barro

Einen wunderschönen Montagabend 😃☕

Jaa, hier sind wir nun wieder nach zwei Specials und einer kurzen Pause. đŸ‘đŸ»â˜ș

Heute geht es bei der lieben Kollegin Mia von Miasraum und mir, wieder weiter mit den Montagslyrikern und gleich einmal wieder mit jeder Menge Frauenpower. đŸ‘đŸ»đŸ˜

Unsere heutige Teilnehmerin, schreibt eigentlich schon ihr ganzes Leben lang. Gerne schlĂŒpft sie zusĂ€tzlich noch in Rollen, Verkleidungen und Masken. Dies dient oftmals dazu, ihre SchwĂ€chen, ihre AlltagsĂ€ngst zu verbergen. So dient das Schreiben, als Ausgleich. Denn in ihren Worten die sie zu Papier bringt, ist sie losgelöst von ihrem Mantel jener das Ich bedeckt und kann ganz sie selbst sein. Ihre Ungeduld und schnelle Reizbarkeit von Ă€ußeren EinflĂŒssen, entflieht sie am Liebsten in der Natur und Gartenarbeit.
Zu ihren Göttern ist Kali, die hinduistische Gottheit der VergÀnglichkeit. Zu den weltlichen Vorbilder zÀhlt die britische SÀngerin, Songwriterin und Poetin Anne Clark.

Wollen wir aber gar nicht zu viel verraten und lassen unsere großartige Teilnehmerin am Besten selbst zu Wort kommen.

Darum einen großen Applaus fĂŒr:

Judith Barro đŸ‘đŸ»đŸ‘đŸ»đŸ‘đŸ»đŸ˜ƒđŸ˜Š

1. Nenne den Schmerz beim Namen/ Welcher DĂ€mon hat mich zum Schreiben verfĂŒhrt
Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr genau. Ich habe schon immer geschrieben, seit ich denken bzw. schreiben kann. Ich wĂŒrde sagen, es war ein Teil von mir – mein innerer DĂ€mon sozusagen, der gesehen werden wollte, der immerzu rief: „Schreibe! Lass all deinen SeelenmĂŒll, deinen Schmerz, deine TrĂ€ume und SehnsĂŒchte aufs Papier wandern!“
Und genau das tat ich.
2. Wer mich kennenlernen will muss wissen, dass ich…
…oft Masken trage und Rollen spiele. Ich versuche dadurch meine vielen AlltagsĂ€ngste, meine SchwĂ€chen, meinen Schmerz, all die Dinge, die mir zusetzen zu verbergen. Leider passiert es oft, dass ich mich dann selbst nicht mehr finde unter all den Verkleidungen.
Vielleicht ist das aber auch mit ein Grund weshalb ich schreibe. Beim Schreiben kann ich ICH sein. Ich brauche mich nicht zu verstellen. Beim Schreiben bin ich ehrlich. Und Ehrlichkeit ist eine Tugend, die ich sehr schÀtze, obwohl ich es im Alltag oft nicht bin.
Ein weiteres Handycap ist meine Ungeduld und die Tatsache, dass ich zu viele Reize von außen nicht aushalten kann. Hier finde ich Ausgleich in der Natur. Bei der Gartenarbeit oder bei StreifzĂŒgen durch unsere heimischen WĂ€lder kann ich gut zu mir finden. Dann werde ich weich und offen, alle Rollenspiele fallen von mir ab und ich fĂŒhle mich verbunden mit allem was Leben ist.
3. Welche Götter verehre ich?
Wie schon gesagt, finde ich viel Inspiration in der Natur.
Eine Göttin aber, die ich tatsĂ€chlich verehre, ist die hinduistische Göttin Kali. Sie reprĂ€sentiert die VergĂ€nglichkeit. Sie will uns zeigen, dass nichts bleibt wie es ist, dass alles aus dem schwarzen Nichts kommt und dort wieder zurĂŒckkehrt.
Eine KĂŒnstlerin, die mich in meiner frĂŒhesten Jugendzeit stark geprĂ€gt hat, ist die britische SĂ€ngerin, Songwriterin und Poetin Anne Clark.
Ein weiterer Mensch, den ich sehr feiere, ist der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl, ein großartiger GeschichtenerzĂ€hler, der mich mit seinem tiefen Wissen um die UrsprĂŒnge des Seins immer wieder beeindruckt und inspiriert.
4. Was tue ich um mein Werk bekannt zu machen?
Eigentlich hatte ich nie die Absicht meine Werke bekannt zu machen. Ich habe immer nur fĂŒr mich selbst geschrieben, einfach weil es mir gut tat.
Irgendwann allerdings dachte ich mir: „Judith, jetzt wirst du langsam alt! Du steuerst allmĂ€hlich auf die FĂŒnfzig zu! Es wĂ€re doch schade, wenn du irgendwann diese Welt verlĂ€sst und kein Mensch je etwas von dir gelesen hat.“
Und so begann ich meine Gedichte auf Instagram @judith.barro zu veröffentlichen.
FĂŒr die nahe Zukunft ist die Veröffentlichung meines Gedichtbands „Zwischenzeitlich leben“ geplant, den ich bereits fĂŒr Freunde und Verwandte habe drucken lassen.

Sie war immer auf der Suche
nach Vollkommenheit
und Perfektion,
nach dem perfekten Leben,
und der perfekten Form,
nach der idealen Beziehung,
und dem einzigartigen Job.
Doch ihr Supermann entpuppte sich als
Blödmann
und von den Kollegen wurd` sie nur gemobbt.
Dennoch gab sie nicht auf zu suchen,
nach dem Abbild ihrer Welt.
Und hat dabei vergessen,
dass ihr das Wichtigste im Leben fehlt.
So zogen mit all der Suche
die Jahre in das Land,
die Falten wurden weg gespritzt,
doch sie hatte immer noch nicht erkannt,
dass die Vollkommenheit in ihr selbst liegt,
und nicht im Ă€ußeren Schein,
dass Liebe viel, viel mehr ist,
als Karriere, Geld und teurer Wein.
So ward` sie frustriert und einsam,
kam einfach nicht ins Lot,
nahm sich enttÀuscht das Leben,
und starb ÂŽnen bitteren Tod.

ALLTAGSKRAM
Vergessen
WĂ€sche waschen
Windeln wechseln
HaushaltsplÀne erstellen
einkaufen
putzen
kranke Kinder pflegen
Termine wahrnehmen
seichte GesprÀche und Routinesex
VorhÀnge des Vergessens aufhÀngen
Vergessen woher wir kamen
was wir wollten
wer wir sind
LEBEN
Leben,
konserviert und eingesperrt,
gepudert, ĂŒberschminkt, verkleidet.
Leben,
festgehalten mit einem Lachsmiley
auf Facebook.
Leben,
AnhÀufung verschiedenster
Status Symbole,
Theaterspiel im Außen,
krampfhaftes UnterdrĂŒcken und Verstecken
von Ängsten und BedĂŒrfnissen.
– Leben im Einmachglas –

Der ganz normale Wahnsinn
Um 6 Uhr schrillt der Wecker,
der Manne der steht auf.
Der Kaffeeautomat mahlt und brĂŒht die Bohnen
und wirft noch Milchschaum oben drauf.
Im Stehen liest er die Zeitung,
schon wieder mal gibt’s Krieg,
Massenmorde, Korruption,
und weit und breit kein Sieg.
So hetzt er los mit seinem Auto
durch die Straßen dieser Welt,
fÀhrt von einem Meeting zum andern,
und spĂŒrt dass irgendetwas fehlt.
Schnell was essen im Vorbeigehen,
und ÂŽnen Kaffee rein geschĂŒttet.
Das Handy piept und klingelt.
Ein Kollege ihn um etwas bittet:
„Ach könntest du heut` wohl lĂ€nger machen?
Ich muss dringend heim zu meiner Frau.“
„Ja klar Mann, ist doch selbstverstĂ€ndlich.
Tu ich sowieso und ganz genau.“
Sein Herz, das rast,
der Schweiß, der lĂ€uft,
der Manne der rotiert.
Die TretmĂŒhle des Lebens hĂ€lt ihn fest im Griff.
Der Manne fĂŒhlt sich angeschmiert.
Ist das denn Leben?

denkt er sich,
das kann doch wohl nicht sein?
Da fehlt doch was, ich will noch mehr,
nicht nur Arbeit, Stress und hohlen Schein.
Dabei hat er doch wirklich alles,
ÂŽnen angesehenen Beruf
und sehr viel Geld,
ein riesen Haus,
ein schickes Auto,
ÂŽne geile Frau,
das ist es doch, was zÀhlt.
Doch irgendwann lief das Fass dann ĂŒber,
der Manne sah nur noch rot.
Er tobte, schrie und kippte um.
Drei Tage spÀter war er tot.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Olga Polikevic sagt:

    Die Texte erinnern einen daran, wie Hektik, Stress und Anerkennung unser Leben bestimmen und daran, dass wir falsche PrioritÀten setzen und so unser Leben nicht wirklich ausleben können.
    Danke fĂŒr diese Erinnerung.
    Mit lieben GrĂŒĂŸen
    Olga

    GefÀllt 1 Person

    1. Vielen vielen lieben Dank fĂŒr deine Worte. 🙏â˜ș Das ist wirklich so. 😊🍀
      Ganz liebe GrĂŒĂŸe zurĂŒck đŸ€—

      GefÀllt mir

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